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Historische Wertpapiere

~ Spurensuche

Historische Wertpapiere

Kategorien-Archiv: Spurensuche in Bayern

Das Kraftwerk Kammerl im Ammertal

14 Mittwoch Mar 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Bayern

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Schlagwörter

Bad Kohlgrub, Baumgartner, Denkmal, Kraftwerk, kummer, Oberammergau

Kraftwerk Kammerl an der Ammer

Kraftwerk Kammerl an der Ammer

Das Kraftwerk Kammerl im Ammertal, unweit von Saulgrub in Oberbayern, ist ein Zeitzeuge der Aktivitäten des Dresdner Kummer-Konzerns. 1899 fertiggestellt, diente es zur Stromversorgung der Lokalbahn Murnau-Oberammergau und auch zur Stromversorgung des Hinterlandes von Murnau. Kummer gründete zu diesem Zweck eine Tochtergesellschaft, die Aktien-Gesellschaft Süddeutsche Elektrische Lokalbahnen. Außerdem baute die AG noch die Lokalbahn Bad Aibling-Feilnbach. Es gibt darüber fachkundige und ausführliche Eisenbahnliteratur.1)

Werbeplakat Süddeutsche elektrische Lokalbahnen

Werbeplakat Süddeutsche elektrische Lokalbahnen

Die Idee zum Bau der Lokalbahn Murnau-Oberammergau stammt vom Realitätenbesitzer und Kunsthändler Heinrich Baumgartner aus München bzw. Bad Kohlgrub. Er besaß in Bad Kohlgrub das Kurhotel „Lindenschlößchen“. 1895 veröffentlichte er in München die Denkschrift: Erbauung einer normalspurigen Lokalbahn von Murnau über Bad Kohlgrub nach Altenau im Ammergebirge-Ammergaubahn“. Der Kummer-Konzern unterhielt in München eine Generalvertretung in Person des Herrn Bubeck. So kam man dann irgendwie zusammen. Das Wirken von O. l. Kummer wurde durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft Murnaus, anlässlich der Eröffnungsfahrt der Lokalbahn am 5. April 1900 gewürdigt. Nach dem Konkurs des Kummer-Imperiums kam auch das Ende der Tochtergesellschaft. Später erwarb die Localbahn Actiengesellschaft aus München die beiden Strecken. Das Kraftwerk produziert heute noch Bahnstrom und hat wieder an Bedeutung gewonnen.

1)
Die Lokalbahn Murnau-Oberammergau, Ralf Roman Rossberg, Frank’sche Verlagshandlung Stuttgart, 1970
Die Localbahn Actiengesellschaft-Eine bayerische Privatbahn und ihre Geschichte, Stephan Kuchinke, transpress Verlag Stuttgart, 2000, ISBN 3-613-71125-7

Die Anlagen des Kraftwerkes

Stauwehr der Ammer-Beginn des Werkkanals

Hier wird das Wasser der Ammer in den Werkkanal abgeleitet, der nun 195 Meter unterirdisch ...

Äquadukt über die Halbammer

und dann auf einem Äqadukt die Halbammer überquert

Werkkanal zum Kraftwerk

der letzte Teil des Weges zum Kraftwerk

Etwas für Wanderer

Eine ausgiebige Wanderung (als Ammerrundweg beschildert) kann man von Bad Bayersoien aus beginnen …

Ammerbrücke an der Soier Mühle

von Bad Bayersoien zur Ammer und diese auf der Brücke an der Soier Mühle überqueren ..

Der weitere Weg führt durch eine herrliche Landschaft, festes Schuhwerk und Trittfestigkeit sind allerdings erforderlich. Für Spaziergänger habe ich auch noch etwas angefügt.

Unterwegs zum Kraftwerk Kammerl

unterwegs zum Kraftwerk Kammerl ...

an der Ammer

an der Ammer

Am Kraftwerk angekommen, wieder die Ammer überqueren und eine kleine Straße steil bergauf nach Achele …

Buckelwiesen bei Bad Bayersoien

über Buckelwiesen zurück nach Bad Bayersoien

Ich schätze die Dauer dieser nicht einfachen Wanderung auf 5 Stunden, bitte meine Hinweise (Schuhwerk, Trittfestigkeit, zusätzlich eine Wanderkarte) beachten !

Hier ein Vorschlag für Naturfreunde, die vielleicht nicht mehr so gut zu Fuß sind:

Mit dem PKW bis Saulgrub, dann die schmale Nebenstraße nach Achele, dort befindet sich ein Parkplatz, der auch von Kajakfahrern benutzt wird, die hier ihre Boote einsetzen. Nun zu Fuß über die Brücke zum Kraftwerk, dort führt ein Wartungsweg am Werkkanal entlang bis zum Äquadukt über die Halbammer. Zurückgekehrt ist auch noch ein Abstecher abwärts der Ammer zur bekannten Scheibum möglich.

Von Erfurt nach München-die Geschichte der Thuringia Versicherung

12 Sonntag Feb 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Bayern

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Schlagwörter

Erfurt, Fortuna, München, Thieme, Thuringia, Versicherung, Wehle

Unter dem 12. Februar 2004 erfolgt in das Handelsregister in München ein neuer Eintrag. Eine Versicherung mit Namen “Generali Versicherungen” wird notiert. Damit endet die Geschichte der traditionsreichen Thuringia Versicherung, die 1853 in Erfurt begann.

Die Gründung

Im Haus 1770 in Erfurt, “Zum Lohfinken” genannt, wohnt Karl Ferdinand Wehle, Bürovorsteher und Kalkulator der Thüringischen Eisenbahngesellschaft. Diese Gesellschaft hatte 1846 ihren Betrieb eröffnet. Damit war sie eher etwas spät dran, denn seit dem Fall der Zollgrenzen 1834 und einer Zoll-Barriere gegen die englische Konkurrenz kam Geld unter die Leute und das Motto lautete: Baut Eisenbahnen!
Wehle war besessen von der Idee der Versicherung als Erwerbsinstitut und volkswirtschaftlicher Notwendigkeit. Die Eisenbahn barg damals viele Gefahren für Leib und Leben, Hab und Gut. Durch die vom Gesetzgeber erlassenen Haftungsverpflichtungen waren die Eisenbahngesellschaften an der Gründung einer entsprechenden Versicherungseinrichtung interessiert. Wehle ist klar, dass er für die Verwirklichung seiner Idee zwei Dinge braucht: Einfluss und Kapital. Es gelingt ihm, 1853 ist es soweit: Am 19. September 1853 erteilt der König von Preußen die Genehmigung zur Errichtung der “Eisenbahn- und Allgemeine Rück-Versicherungs-Gesellschaft THURINGIA”.

Thuringia, 1000 Thaler, Erfurt am 15. 10.1853

Blankett der Gründeraktie von 1853, das Stück befindet sich im Archiv einer großen Versicherungsgesellschaft, ein identisches Papier von 1856 erzielte bei der 21. Auktion vom HWPH einen Zuschlag von 1.150 EUR (Ausruf 1.000 EUR).

Das Aktienkapital wurde auf 2 Millionen Thaler festgelegt. Unter dem 15. Oktober 1853 wurden 2000 Namensaktien zu je 1000 Thaler begeben und auch gezeichnet. Notwendig war ein Bareinschuss von 200 Thalern und die Hinterlegung von zwei Wechseln zu 300 und 500 Thalern.
Diese wohl schönste Aktie aus dieser Zeit wurde gedruckt von der Lith. Anstalt v. Gerhardt & Schreiber in Erfurt. Die Symbole in der kunstvoll gestalteten Umrahmung deuten Hintergrund und Entstehungsgeschichte des Unternehmens an: Unten die Silhouette der Heimatstadt Erfurt mit dem “Erfurter Rad”. Darüber sechs Vignetten: zunächst die Eisenbahn und der Erfurter Bahnhof als Ausgangspunkt der Versicherungsidee. Ein Segelschiff und ein mehrspänniger Handelswagen stehen für das Risiko von See- und Landtransporten, der Lebensbaum für die Lebensversicherung. Über allem thront der preußische Adler. Die Größe dieses Papieres beträgt ca. 41 cm in der Höhe und 26 cm in der Breite. 1856 wurde der Versicherungsumfang erheblich erweitert. Vermutlich deshalb erfolgte eine Kapitalerhöhung auf 3 Millionen Thaler. Aktuell im Sammlermarkt wurde ein Blankett vom 1.1.1856 auf der 21. Auktion vom Historischen Wertpapierhaus in Würzburg für 1.150 € (1.000 €) zugeschlagen.
1856 erfolgte eine Namensänderung in Versicherungsgesellschaft Thuringia, die Rückversicherung war nicht machbar.

Die Thuringia erobert Bayern

Im Jahr 1871 wird dem 27-jährigen Carl Rudolf Thieme die Generalagentur der Thuringia für das Königreich Bayern übertragen. Er überzieht Bayern mit einem dichten Vertreternetz. Bald gibt es Dörfer, die geschlossen bei der Thuringia versichert sind. Fast alle Häuser tragen ihr Versicherungsschild. Bayern wird dank Thieme zum stärksten Standort der Thuringia.
1879 fasste er den Plan zur Gründung eines Rückversicherungs-Unternehmens und hoffte auf die Unterstützung seiner Direktion in Erfurt. Das war jedoch nicht der Fall. Er wandte sich deshalb an den Industriellen Theodor Freiherr von Cramer-Klett sowie den Bankier Wilhelm von Finck und errichtete mit deren Hilfe am 3.4.1880 die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, an deren Spitze er 41 Jahre lang stand. 1886 löste er den Vertrag mit der Thuringia und widmete sich ganz seiner eigenen Schöpfung.

1920: Gründung der Fortuna Rückversicherungs-AG als Tochtergesellschaft

Fortuna Rück 3.12.1926 Schon frühzeitig wurde von der Thuringia das Rückversicherungsgeschäft aufgegeben und die Transportversicherung eingeschränkt. Zu dieser Zeit befand sich die Gesellschaft in einer Abwärtsbewegung, der Großbrand von St. Petersburg 1862 kostete 110 499 Taler.
1914 begannen im Vorstand Bemühungen, die Geschäftsfelder Transport- und Rückversicherung wieder zu aktivieren. Man verhandelte deshalb mit der Allgemeinen Versicherungs-AG Fortuna in Berlin. Die Fortuna war eine alte, solide Gesellschaft, die 1868 gegründet, ausschließlich die Transportversicherung betrieb. In einem Vorvertrag von 1917 wurde bereits die Fusion beschlossen. Im März 1920 wurde die Fortuna Rückversicherungs-AG mit einem Aktienkapital von 2 Millionen Mark gegründet. 1969 übernimmt die Thuringia ihre Tochtergesellschaft.

Hilfe in der Inflation

Der Abschluss des Geschäftsjahres 1923 ist verheerend, alle Berechnungen sind Makulatur. Für geordnete Verhältnisse sorgt erst die Einführung der Rentenmark, einer Übergangswährung zur Reichsmark. Die Thuringia und viele andere Versicherungen erkennen die Gefahr, durch größere Schadensfälle in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Die Führung der Thuringia nimmt Ende 1923 Fühlung mit der Aachener und Münchener Feuer-Versicherungsgesellschaft auf, um mit ihr eine Interessengemeinschaft einzugehen. Die Angelegenheit wird brisant, als der Hauptaktionär der Thuringia sich entschließt, ein großes Aktienpaket abzustoßen. Die Aachener und Münchener übernimmt dieses Paket und damit die Aktienmehrheit der Thuringia und der Fortuna Rück. Beide gehören von da an zur “Aachener und Münchener Gruppe”.

Nach 1945

Im Juli 1945 überlassen die Amerikaner Erfurt und das Land Thüringen den Russen. Die Thuringia wird liquidiert, das Verwaltungsgebäude wird für die Landesversicherungsanstalt Thüringen beschlagnahmt, die Bankguthaben gesperrt.
In der Bezirksdirektion Hannover fand man ein erstes Domizil. Die Möglichkeiten im zerbombten Hannover sind schnell erschöpft, ein Umzug nach Hannoversch-Münden ist der Ausweg. Die Währungsreform 1948 schafft neue Möglichkeiten, macht den Weg frei für neue Planungen. Die Thuringia ist da in Hann.-Münden etwas abseits. Der Blick des Vorstandes richtet sich nach Bayern, dem Land mit dem größten Kundenbestand und der dichtesten Vertreterorganisation. In München in der Widenmayerstrasse steht noch die Fassade des schönsten Gebäudes aller Thuringia-Bezirksdirektionen. 1950 findet der Umzug nach München statt.

Von der Isar nach Neuperlach

Thuringia Juni 1965 Der Betrieb in der Widenmayerstrasse platzt aus allen Nähten. 1974 kauft die Thuringia ein Grundstück in Münchens Trabantenstadt Neuperlach und errichtet dort ein neues Verwaltungsgebäude.
1976 schließt die Thuringia mit der Aachener und Münchener Versicherungs AG einen Beherrschungsvertrag ab. Daraus entsteht 1979 die AMB-Holding. 1998 wird die Assicurazioni Generali S.p.A. durch Übernahme eines Aktienpaketes Mehrheitsaktionär der AMB. Anschließend bringt die Assicurazioni Generali die Generali lloyd-Gesellschaften in die AMB-Gruppe ein. Nun ist in München ein ziemliches Gedränge, natürlich wird umstrukturiert. Die Thuringia feiert noch ihr 150-jähriges Bestehen, dann geht sie in der neuen Generali Versicherung AG auf.

Quellen:
Thuringia 100 Jahre einer deutschen Versicherungsgesellschaft, Aquarell von Hermann Schneider, München
150 Jahre Thuringia, München 2003
Archiv des Autors

Konzernzentrale in München-Neuperlach

München-Neuperlach

Karl Ferdinand Wehle Gründer der Thuringia

Karl Ferdinand Wehle, Gründer der Thuringia, Direktor von 1853-1866

Plakat Thuringia 1907

Plakatentwurf 1907, auf der Rückseite signiert mit Buschmeyer

Haus der Thuringia in Erfurt ca. 1890

Haus der Thuringia in Erfurt ca. 1890

Von Leipzig nach München-die Geschichte von Giesecke & Devrient

21 Samstag Jan 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Bayern, Spurensuche in Sachsen

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Schlagwörter

Banknotendruck, Devrient, Druckerei, Giesecke, Otto

Die Geschichte von Giesecke & Devrient ist die Geschichte eines erfolgreichen Unternehmens, immer eng verbunden mit den beiden Familienstämmen. Das Unternehmen hat drei Kriege, Inflation und eine Enteignung nach 1945 überstanden.

1852 gründeten der 21jährige Hermann Giesecke (1831-1900) und der 31jährige Alphonse Devrient (1821-1878) in Leipzig die Buch-, Kupfer- und Steindruckerei Giesecke & Devrient. Sie beabsichtigten vor allem, sich dem Buch- und Kunstdruck zu widmen. Durch die außerordentlich hohe Qualität ihrer Arbeit hatten sie schnell Erfolg, allerdings auch Probleme, da die Produktionskosten sehr hoch waren.

1854-erste Ehrenmedaille der Allgemeinen Deutschen Industrie-Ausstellung zu München

1854-Aufnahme der Verlagstätigkeit, besondere Aufmerksamkeit gehörte dem qualitätsvollen Buchdruck

1856-Anfänge des Banknotendrucks

Die Erfahrung im Kupfer- und Stahldruck war die Grundlage für den Einstieg in den Banknotendruck. Eines der ersten Erzeugnisse war eine 10-Taler-Note für die Herzoglich-Altenburgische Regierung.

1871-Wertpapierdruck mit Beginn der Gründerjahre

In Deutschland entstanden in kurzer Zeit über 850 neue Unternehmen mit einem Gesamtkapital von 1,4 Milliarden Taler. Diese Entwicklung löste für Giesecke & Devrient eine große Zahl von Aufträgen aus. Der Talersammler kann dies bestimmt bestätigen.

1889-Gründung einer Niederlassung in Berlin

Berlin war durch die Reichsgründung zur politischen Hauptstadt Deutschlands geworden, es war wichtig, dort präsent zu sein.

1894/95-ein siebenstöckiger Erweiterungsbau wird fertiggestellt, der elektrische Einzelantrieb wird eingeführt.

1901-Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft

1900 stirbt mit Hermann Giesecke auch der zweite Firmengründer. Die OHG wird in eine KG umgewandelt. Den Schritt zur Familiengesellschaft vollzogen viele Unternehmen, weil es eine klare Trennung zwischen persönlich haftenden Gesellschaftern (Komplementären) und den nur mit ihrer Kapitaleinlage haftenden Kommanditisten gab.

1914

Der Erste Weltkrieg brachte auch für G & D nichts Gutes, jedenfalls am Anfang. Der Mangel an Arbeitskräften, Rohstoffen und Aufträgen machte schwer zu schaffen. Durch die Aufhebung der Goldwährung verfünffachte sich die Geldmenge bis zum Kriegsende. Ab Mitte 1915 erhielt die Firma Aufträge wie nie zuvor. Die Zahl der ausgelieferten Banknoten explodierte.

1931-Wandlung in eine Aktiengesellschaft

Auch hier war ein Todesfall der Auslöser. Raimund Giesecke, Sohn des Firmengründers Hermann Giesecke, war gestorben. Er hatte viele Jahre in der Leitung der Firma gearbeitet und besaß auch die Hälfte des Kapitals der Firma. So war noch zu seinen Lebzeiten beschlossen worden, die KG in eine AG zu wandeln, an der nur die Gründerfamilien beteiligt sein sollten. Auch für die Weitergabe von Anteilen innerhalb der Familien gab es strenge Regeln.

Datum/Ort

Nominal

Auflage

Bek. Stücke

0.2.1939

1000

1250

450 RB

2.2.1942

1000

500

115 RB

1943-Die Zerstörung

In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 wurde das Gebäude von G & D durch einen Bombenangriff schwer getroffen, das Wertpapierkontor wurde völlig zerstört, und sämtliche im Haus befindlichen Aufträge vernichtet. Trotzdem wurden im April 1944 wieder die vollen Umsätze erreicht. Bestes Beispiel dafür ist die Aktie der Dresdner Hof AG, Leipzig vom Januar 1945.

1945-Das Ende in Leipzig

Im Juli 1945 wurde Sachsen durch die sowjetische Armee besetzt und die Beschlagnahme von Wirtschaftsbetrieben durchgeführt. Auch G & D war davon betroffen. So wurde Ludwig Devrient sen. von russischen Offizieren verhaftet und verstarb 1948 im NKWD-Lager Bautzen.

1948-Neuanfang in München

In Leipzig wurde ebenfalls Siegfried Otto von den Russen verhaftet. Otto hatte 1943 Jutta Devrient, die Tochter von Ludwig Devrient, geheiratet. Vorher hatte er noch Druckplatten nach Würzburg zu Koenig & Bauer gebracht. Nach dreijähriger Gefangenschaft in Russland wurde er 1948 nach München entlassen. Im Juni 1948 fand eine außerordentliche Hauptversammlung der AG in München statt. Es wurde beschlossen, den Sitz der Gesellschaft von Leipzig nach München zu verlegen. Siegfried Otto wurde zum alleinigen Vorstand bestellt. Er war nun Vorstand einer AG ohne Personal, Räume und Maschinen. Die noch lebenden Fachkräfte fanden “mit der Sicherheit von Zugvögeln” ihren Weg von Leipzig nach München.
Mit Hilfe der Deutschen Bank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank konnte im Jahr 1952 eine dringend benötigte Kapitalerhöhung durchgeführt werden. Das bisherige Aktienkapital der AG betrug nach der Wertpapierbereinigung 140 000 DM. 1952 wurde das Stammkapital um 860 000 DM auf 1 Million DM erhöht. Siegfried Otto übernahm Aktien im Wert von 500 000 DM, die Süddeutsche Bank und die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank übernahmen je 180 000 DM

1958-G & D wird in eine GmbH gewandelt

1964-Die Gründung der Papierfabrik Louisenthal

Bis zu diesen Zeitpunkt wurde das benötigte Banknotenpapier im Ausland hergestellt. Nun hatte man Sicherheitsbedenken. Allerdings war keine Firma in Deutschland in der Lage, dieses Papier herzustellen. Also beschloss G & D, selbst tätig zu werden. Ein geeignetes Objekt fand man am Tegernsee mit der Papierfabrik Louisenthal C. Haug & Co. KG. Die Fabrik war technisch veraltet, verfügte jedoch über sehr gute infrastrukturelle Voraussetzungen.

Die Geschichte von Louisenthal

1991-die Papierfabrik Königstein/Sachsen wird eine hundertprozentige Tochter der Papierfabrik Louisenthal

Im Falle einer Übernahme dieser traditionsreichen Papierfabrik durch einen Konkurrenten wäre der herrschende Preiskampf auf dem Gebiet der Banknotenherstellung noch verstärkt wurden. Die Papierfabrik Königstein stellte seit 1976 das Banknotenpapier für die Staatsbank der DDR her.

Die Geschichte der Papierfabrik Königstein

Für den Sammler Historischer Wertpapiere soll hier die Geschichte enden. Giesecke & Devrient ist heute ein weltweit agierender High-Tech-Konzern mit ca. 10 000 Mitarbeitern.

Quellen:

Werte im Wandel der Zeit, Giesecke & Devrient 1852-2002 von Jan Hendrik Prell und Horst Böttge (limitierte Ausgabe von 2500 Stück)

Giesecke & Devrient-vom Typographischen Institut zum High-Tech-Unternehmen-mein eigener Artikel im “Aktiensammler” 5/2008

Historisches Gebäude G & D Leipzig 1857, Nürnberger Strasse

Historisches Gebäude G & D Leipzig 1857, Nürnberger Strasse; Quelle: Leipzigs Großindustrie und Großhandel , 1887

Provinzial-Actien-Bank Grossherzogtum Posen 20 Thaler 1857

Provinzial-Actien-Bank Grossherzogtum Posen 20 Thaler 1857

Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft 1874

Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft 1874, eines meiner Lieblingsstücke

Serbische Zentral-Wirtschaftsbank 1922

Serbische Zentral-Wirtschaftsbank 1922-etwas exotisches von G & D

Schuldverschreibung G & D 1931

in eigener Sache: Schuldverschreibung 8%, 1931

Giesecke & Devrient AG Leipzig 1939

in eigener Sache: Giesecke & Devrient AG Leipzig 1939

Dresdner Hof-AG Leipzig 1945

Dresdner Hof-AG Leipzig 1000 RM 1945 !

Daimler-Benz AG 1952

Daimler-Benz AG 1952-ein Stahlstich vom feinsten!

Bankhaus Herstatt Gründeraktie 1956

die Gründeraktie Bankhaus I. D. Herstatt , Köln, im Januar 1956

Ein weiteres Schmuckstück von G & D, man beachte die gestochene Schrift !

Koenig & Bauer 1979

Koenig & Bauer 1979

Papierfabrik Louisenthal, Empfangsgebäude, 2009

Papierfabrik Louisenthal, Empfangsgebäude, 2009, eher zufällig aufgenommen während einer Wanderung im Mangfalltal

Königsteiner Papierfabrik 1.5.1872

Königsteiner Papierfabrik 1.5.1872

Auf der 97. Auktion der Freunde Historischer Wertpapiere tauchte dieses rare Stück auf und wurde zum Ausrufpreis von 1500 EUR zugeschlagen. 1876 geriet die Gesellschaft in Konkurs und wurde für 120 000 Thaler verkauft. Neuer Eigentümmer wurde Hugo Hoesch (1850-1916) aus der Dürener Linie der Fabrikantendynastie Hoesch. Er baute die Fabrik zu einer der modernsten Feinpapierfabriken Deutschlands aus.

Maffei in Iffeldorf

03 Dienstag Jan 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Bayern

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Schlagwörter

Iffeldorf, Maffei, Staltach

Die Geschichte des Ortes Iffeldorf wurde ab 1861 sehr stark durch mehrere Generationen der Münchener Industriellenfamilie von Maffei geprägt. Iffeldorf ist eine Gemeinde in Oberbayern am südlichen Ende der Osterseen, nahe Penzberg. Ein sehr gut erhaltenes Zeugnis jener Zeit ist dieses Landhaus  am Ufer des Staltacher Sees.

Landhaus Maffei in Iffeldorf

Landhaus Maffei in Iffeldorf, Gut Staltach

Josef Anton Ritter von Maffei benutzte bis zu seinen Tod 1870 das einstöckige Landhaus  als Sommersitz, aber nicht allzu oft, er bevorzugte die Villa in Feldafing. Seine Erben stockten das Haus später auf. Gekauft hat Maffei die Ländereien, um die Torfvorkommen für sein Werk in der Hirschau in München zu nutzen. Den Torf wollte er mit Lastkähnen über die Osterseen, den Starnberger See und die Würm in die Hirschau transportieren. Daraus wurde aber nichts. Da man das Land nun mal hatte, baute sein Erbe ein gewaltiges Gut auf. Sehr umfangreiche Informationen zur Geschichte des Gutes Staltach enthält die Ortschronik von Kornelia Bukovec/Karl Exner: Iffeldorf-Geschichte eines Dorfes, 1994.

Brauerei Staltach um 1930

Brauerei Staltach um 1930, gemeinfrei aus Wikipedia, Quelle Familienbuch Maffei

Krauß-Maffei, München 10.1940 1.000 RM

1931 fusionierten die Konkurrenten Krauß und Maffei zur Lokomotivfabrik Krauß & Comp. J. A. Maffei AG, 1940 umbenannt in Krauß-Maffei AG, als absolute Rarität gilt die Ausgabe vom Oktober 1942, 1000 RM.

Die Isarwerke – ein Teil des bayerischen Energiepuzzles

11 Sonntag Dez 2011

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Bayern

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Schlagwörter

Denkmal, Isar, Kraftwerk, Mühltal

München, 28. Mai 1895
Inmitten einer großen Natur haben Sie soeben die Anlagen einer neuen Unternehmung mit Interesse besichtigt, deren Bedeutung wohl erst nach und nach zur vollen Geltung kommen wird. Jahre sind darüber hingegangen, bis der große Bau vollendet war, und Jahre werden darüber hingehen, bis er seine wirtschaftliche Bestimmung ganz erfüllt …
(Aus der Rede von Wilhelm Finck zur Eröffnung der Zentrale I der Isarwerke G.M.B.H.)

Es begann mit Jakob Heilmann. 1862 traf er mit 16 Jahren aus Geiselbach im Spessart in München ein, um ein Fachstudium zu absolvieren. Er war sofort von der Wasserkraft der Isar und den damit verbundenen Möglichkeiten fasziniert. Bei seinen späteren Spaziergängen an der Isar (er wohnte seit 1877 in München) suchte er ein geeignetes Gelände aus und kaufte dann gezielt Ländereien am Isarufer auf. Bereits hier ist meiner Meinung nach schon der Bankier Wilhelm Finck (später von Finck) beteiligt gewesen. 1889 reichte Heilmann ein Gesuch zur Errichtung der Zentrale 1 bei Höllriegelskreuth ein und bildete 1894 ein Konsortium zur Gründung der Isarwerke G.m.b.H., bestehend aus Wilhelm von Finck, der Darmstädter Bank und Jakob Heilmann. Die Zentrale 1 ging 1894 in Betrieb, für die technischen Einrichtungen zeichnete Oscar von Miller verantwortlich, es wurde Drehstrom erzeugt.

Nun wurde ohne Verzug der Bau der Zentrale 2 bei Pullach in Angriff genommen. Diese, mittels eines Werkkanals mit der Zentrale 1 verbunden, lieferte 1902 den ersten Strom. 1914 können die Isarwerke eine verkaufte Strommenge von 20 Millionen kWh vermelden, die Zahl der Stromkunden wird mit 6.668 angegeben. Damit war sämtliche durch Wasserkraft erzeugte Energie vergeben, eine Dampfkraftanlage musste den weiteren Bedarf decken. Außerdem bereitete man während des Krieges den lange geplanten Bau der Zentrale 3 in Mühltal vor. Dazu schuf die Isarwerke G.M.B.H am 18.6.1921 die Tochtergesellschaft Isarwerke A.G. mit einem Gründungskapital von 20 Millionen Mark, bis 1923 folgten noch 2 Kapitalerhöhungen auf insgesamt 150 Mill. Mark. Zum Zwecke der Risikoverteilung nahm Wilhelm Finck außerdem Verhandlungen mit der RWE-AG in Essen auf, die sich 1923 an der Isarwerke G.M.B.H beteiligten.
Die Finanzierung des Bauvorhabens war unter den bekannten Inflationsbedingungen sehr schwierig. So besorgte man sich 1921/22 zusätzliches Kapital in Form von Schuldverschreibungen mit einem Gesamtvolumen von 150 Millionen Mark in der Stückelung 10.000/5.000/2.000/1.000 Mark.

8.1921

40 Mill. Mark

1.1922

10 Mill. Mark

8.1922

100 Mill. Mark

Ein Kraftwerk, das ein Kunstwerk ist und ein seltenes Historisches Wertpapier

Das Kraftwerk Mühltal im Isartal bei Schäftlarn, im Süden von München, ist eins von besonderer Qualität unter den frühen Wasserkraftwerken. Es liegt an einem 7,3 km langen Isarkanal, der bei Icking beginnt. Das Kraftwerk wurde unter der Leitung von Franz Langlotz von 1921 bis 1924 im klassizistischen Stil erbaut. Wunderschöne Details sind die polyederförmigen Glas-Laternen an der Zufahrt , ebenso die Andreaskreuze genannten Fenstergitter und der Wassergott Neptun über dem Hauptportal. All das war typisch für eine Zeit, in der Kraftwerke noch der Inbegriff für Innovation waren. 1995 wurde das größte Wasserkraftwerk der damaligen Isar-Amperwerke AG unter Denkmalschutz gestellt und nach langwierigen Verhandlungen auch die abgelaufene Betriebsgenehmigung für 30 Jahre erneuert, unter der Bedingung, die Restwassermenge für die Isar zu erhöhen. Als weitere Auflagen wurden Renaturierungsmaßnahmen an der Isar festgeschrieben. Von 1996 bis 1997 sanieren die Isar-Amperwerke AG als Eigentümer das Kraftwerk und das Ickinger Wehr samt Kanal für 45 Millionen DM. Bei dieser Gelegenheit wird in der Schaltwarte ein Deckengemälde des berühmten Münchener Freskomalers Prof. Gottlob Gottfried Klemm mit vier Figuren aus der griechischen Mythologie freigelegt und restauriert.

Die 5%-Anleihe der Isarwerke AG von 1921/1922

Marktübersicht: Isarwerke AG, 5%ige Inhaberschuldverschreibungen

Ausg.-Ort

Ausg.-Datum

Ausg.-Wert

bek. Stücke

Marktwert

letzte Auktion

München 07.1921

Bl. 5.000

München 01.1922

1.000

2

300-500

München 01.1922

2.000

2

300-500

München 08.1922

2.000

6-10

200-300

86. FHW 280/250

München 08.1922

5.000

5-10

150-200

11. HWPH 130/120

München 08.1922

10.000

3-5

200-300

98. FHW 450/450

(Quelle:Rolf Ruhland, HWP Bayern 2007)

Nach der Inflation wurden sämtliche Schuldverschreibungen laut Rolf Ruhland auf 0 abgewertet, wohl deshalb sind diese Papiere nicht im Reichsbankschatz enthalten.

Geblieben sind dem Markt für Historische Wertpapiere einige wenige dieser schönen Stücke, die drucktechnisch auch noch eine Besonderheit aufweisen. Im oberen Teil des Papieres ist die symbolische Grafik einer Flusslandschaft mit Kraftwerk und den nahen Bergen der Alpen zu sehen. Betrachtet man diese Grafik aus der Nähe, stellt man fest, dass sie eigentlich nur aus Strichen besteht. Ich habe ein bekanntes Druckereimuseum um Rat gefragt, dort meinen die Experten, das man über den ersten Druck nochmals mit einer Strichplatte SW im Hochdruck darüber gegangen ist.

Der Sammler kann nun gespannt sein, ob weitere seltene Stücke, wie das 10.000er vom August 1922 im Markt auftauchen.

Werner Thiele, Bernried

Quellen:

Wilhelm von Finck-Lebensbild eines deutschen Bankers von Bernhard Hoffmann
Jakob Heilmann Lebenserinnerungen 1921
Die Isar-Amperwerke 1908-1958
Historische Wertpapiere Bayern 2007 von Rolf Ruhland
alle Fotos Originale vom Verfasser

Isar Werke-AG-München August 1922 2.000 Mark

Isar Werke-AG-München August 1922 2.000 Mark

Kraftwerk Mühltal Südansicht

Kraftwerk Mühltal Südansicht

Kraftwerk Mühltal Südansicht

Kraftwerk Mühltal Südansicht

Kraftwerk Mühltal Eingang

Kraftwerk Mühltal Eingang

Neptun am Eingang zur Maschinenwarte

Neptun am Eingang zur Maschinenwarte

Das Ickinger Wehr-Beginn des Kanals zum Kraftwerk

Das Ickinger Wehr-Beginn des Kanals zum Kraftwerk


Die Baumwollspinnerei Kolbermoor

10 Samstag Dez 2011

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Bayern

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Schlagwörter

Baumwollspinnerei, Firmengeschichte, Kolbermoor

“Ende der Fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts traten einige Männer aus den industriellen Kreisen Augsburgs in Verbindung mit verschiedenen Münchener Kapitalisten dem Gedanken nahe, die große Wasserkraft der Mangfall, eines wasserreichen, mit starkem Gefälle ausgezeichneten Gebirgswassers, für die Textilindustrie nutzbar zu machen, und in dem noch unkultivierten Gebiet der Mangfallauen zwischen Aibling und Rosenheim eine große Baumwollspinnerei zu gründen.” (1)

Das Hauptgebäude 1962Das Hauptgebäude 1862 (1)

Die Anregung zu diesem Plan ging von Theodor Haßler aus, Oberingenieur bei der Maschinenfabrik L.A. Riedinger in Augsburg und dort für die Erbauung und Einrichtung von Baumwollspinnereien zuständig. Diesen wiederum hatten die Grundbesitzer Graf Lodron und von Grainer auf die Wasserkraft der Mangfall aufmerksam gemacht. Die beiden besaßen ausgedehnte Torfgrundstücke an der Haltestelle Kolbermoor der Bahnlinie München-Rosenheim.

Die zukünftigen Gründer und Geldgeber erkannten schnell die Vorteile des Standortes:

  • Bahnanbindung vorhanden
  • Nähe zu Tirol und Salzburg für eine billige Einfuhr der Produkte nach Österreich
  • Wasserkraft der Mangfall als billige Betriebskraft
  • Genügend Arbeitskräfte durch die anspruchslose Landbevölkerung
  • Billiges Heizungsmaterial durch die Torfmoore und den Holzreichtum des Alpenvorlandes
  • Billiges Baumaterial aus der Umgebung

Die Finanzierung des neuen Unternehmens hatte das Bankhaus Sebastian Pilchers sel. Erben in München übernommen, Inhaber ein Herr Schönlin. Er konnte sich im November 1860 über 1.131.250 fl. gezeichnetes Kapital freuen. Das Bankhaus rief am 15.11.1860 die erste Generalversammlung nach München ein. Hier erfolgte nun die förmliche Gründung der Aktiengesellschaft “Baumwoll-Spinnerei Kolbermoor”.

Am 11.12.1860 wurde die zweite Generalversammlung einberufen, hier erfolgte die Wahl des neunköpfigen Gesellschafterausschusses:

  • L. A. Riedinger
  • Direktor C. Buz
  • Administrationsrat Otto
  • Advokat Dr. Schlichthörle
  • Advokat Dr. Ruhwandl
  • Bankier Ernst Schönlin
  • Graf zu Lodron
  • Kreisbaurat Ruland
  • Fabrikbesitzer Riemerschmid

Außerdem erfolgte die Berufung des Vorstandes und der Kauf von 130 Tagwerk (1 Tagwerk betrug ca. 3400 m² in Bayern) aus dem Besitz von Graf Lodron zum Preis von 93.000 Gulden.

Baumwollspinnerei Kolbermoor 1862 Archiv Werner Thiele

Die Gründeraktie vom 1. Januar 1862 über 500 Gulden,
eine von 23 aus dem legendären Reichsbankschatz.

Bei meinen Recherchen im Heimatmuseum Kolbermoor entdeckte ich 2008 einen Interims-Schein vom 1. Mai 1861 mit der Nummer 1 über 500 Gulden, gedruckt von C. R. Schurich in München. Dieses Stück ist im Sammlermarkt unbekannt.

Zum Technischen Direktor wurde Theodor Haßler ernannt. Er begab sich im Frühjahr 1861 nach England, um in den berühmten Spinnereimaschinenfabriken zu Oldham und Manchester Erfahrungen zu sammeln.

Johannes Konrad Theodor Haßler (seit 1898 Ritter von Haßler) (* 3. Juli 1828 in Ulm; † 28. Februar 1901 in Augsburg) war ein deutscher Ingenieur, Unternehmensleiter und industrieller Interessenvertreter. Er war langjähriger Vorsitzender des Centralverbandes deutscher Industrieller.

Ebenfalls im Frühjahr 1861 wurden die Bauten unter der Aufsicht von Kreisbaurat Ruland in Angriff genommen. Im Januar 1862 war das Hauptgebäude mit 6 Stockwerken Höhe fertiggestellt. Außerdem entstanden zahlreiche Nebengebäude, Wohnhäuser für Direktoren, Werkstätten sowie 6 Arbeiterwohnhäuser in unmittelbarer Nähe des Fabrikgeländes. Als schwierig erwies sich die Fertigstellung der Wasserbauten, da zwei Hochwasser einigen Schaden anrichteten. Ende 1862 wurde das erste Garn gesponnen, die Anzahl der Arbeiter und Angestellten betrug 270.

Die Wasserkraft

Obere Wasserkraft erbaut von Del Bondio & Halter, München 1904-1905 (1)

Turbinenhaus 2-2008

Die Mangfall ist der Abfluss des Tegernsees und mündet nach 58 km bei Rosenheim in den Inn. Unterwegs nimmt sie das Wasser der Gebirgsflüsse Rottach, Weißach, Schlierach und Leitzach auf. Dieses Gebiet ist ein wichtiges Grundwasserreservoir der Stadt München. München benötigte natürlich immer mehr Trinkwasser, sodass es immer wieder zu Ärger mit der Baumwollspinnerei führte, die ja die Wasserkraft der Mangfall nutzte. Der Mangfallkanal wurde 1860 durch die Baumwollspinnerei erbaut. Er führt von Bad Aibling durch Kolbermoor nach Rosenheim und treibt u.a. die beiden Kraftwerke in Kolbermoor an.

Der Rohstoff Baumwolle-Abhängigkeit von Amerika

Die Gründung der Spinnerei war in eine für die gesamte Baumwollspinnerei günstige Zeit gefallen, die Baumwollernte in den Vereinigten Staaten von Amerika war die beste aller Zeiten, entsprechend niedrig die Preise. Dann brach nach der Wahl von Abraham Lincoln zum Präsidenten der Vereinigten Staaten der Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten aus. Die Nordstaaten der Union blockierten die Häfen der Südstaaten, wie New-Orleans, Galveston und Savannah, von denen aus Europa mit Baumwolle versorgt wurde. Die Baumwollpreise stiegen bis zu 400 Prozent, das führte zum Ruin vieler Spinnereien in England und Deutschland. Die Baumwollspinnerei Kolbermoor überstand diese gewaltige Krise, musste sich jedoch 1863 dringend Kapital verschaffen. Eine Kapitalerhöhung kam nicht in Betracht, da man die Stimmung unter den Aktionären als schlecht einschätzte. So wurde bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank ein Hypothekenanlehen von 600.000 Gulden zu 4 % aufgenommen. Das reichte allerdings nicht aus, man brauchte mehr Betriebskapital.

Die Gründeraktien

Es sind wunderschöne und seltene Zeitzeugen von 1862. Der unbekannte Grafiker hat den Firmenzweck sehr informativ dargestellt. Zwischen einer unaufdringlichen floralen Umrahmung ist oben das Firmengelände zu sehen und am unteren Rand zwei Spinnereimaschinen. Die Auflage ist in den Aktienhandbüchern und Katalogen mit 3.000 Stück zu 500 Gulden angegeben. Diese 3.000 Stück sind nicht alle an den Aktionär gebracht worden. Nach den historischen Unterlagen sind nur 1.271 Aktien gezeichnet gewesen. So beschloss man 1863 aus der oben begründeten finanziellen Schieflage, bis zu 1.000 Aktien zu besonderen Bedingungen zu emittieren, nämlich zusätzlich einen jährlichen Zins von 5% bis zum Jahre 1879 zu zahlen. Damit sind es dann eigentlich Prioritätsaktien

Marktübersicht nach Rolf Ruhland, Bayernkatalog 2007

Gesellschaft

Ausgabeort

Datum

Wert

RB

Marktpreis
Actien-Gesellschaft Baumwoll-Spinnerei Kolbermoor München

01.01.1862

500

23

(500-750)

Actien-Gesellschaft Baumwoll-Spinnerei Kolbermoor München

15.02.1910

1.000

20

Baumwollspinnerei Kolbermoor Mü. u. Kolbermoor

26.11.1919

1.000

47

Baumwollspinnerei Kolbermoor Mü. u. Kolbermoor

28.12.1920

1.000

22

(200-300)

Baumwollspinnerei Kolbermoor Mü. u. Kolbermoor

09.12.1922

1.000

105

(150-200)

Baumwollspinnerei Kolbermoor Kolbermoor

00.02.1952

100

75-100

Baumwollspinnerei Kolbermoor Kolbermoor

00.02.1952

200

75-100

Baumwollspinnerei Kolbermoor Kolbermoor

00.02.1952

1.000

75-100

Bekannte Auktionen der Gründeraktie:

#

Auktion

Ausruf/Zuschlag

544

XVI. HSK

650/650

1011

56. Tschöpe

900/900

1376

9. FA HWPH

750/750

RB

1169

95. FHW

600/700

2791

97. FHW

500/0

Frühe soziale Einrichtungen

Mit der Gründung der Baumwollspinnerei entstanden auch zahlreiche soziale Einrichtungen:

1862    -Gründung einer Krankenunterstützungskasse

-Gründung eines Unterstützungsvereins für Arbeiter, die wegen hohen Alters, längerer Krankheit oder sonstiger Arbeitsunfähigkeit in finanzielle Not geraten

-Gründung einer “Spinnerei-Sparkasse” für die Betriebsangehörigen (1933 auf Befehl der NSDAP aufgelöst)

1864    -die Spinnerei stellt einen eigenen Chirurgen ein

-eine Fabrikschule wird gegründet und in einem Zimmer der “Sechs Häuser” für 30 Schüler eingerichtet. 1865 wird die Schule verlegt, da inzwischen fast 100 Kinder unterrichtet werden müssen.

1872    -Gründung des “Konsum-Vereins”. Im Geschäft wurden u.a. Erzeugnisse aus den vier spinnereieigenen landwirtschaftlichen Betriebe zu günstigen Preisen nur an die Werksangehörigen verkauft. Für den Einkauf gab es sogar ein eigenes “Konsum-Geld”. (4)

Grundlage für die Schaffung dieser Einrichtungen war ein Erlass Maximilian II. , König von Bayern, die Gründung von neuen Aktiengesellschaften in seinem Land nur dann zu genehmigen, wenn das “Augsburger Sozialmodell”, benannt nach der Augsburger Kammgarn-Spinnerei, in den Statuten der Gesellschaft berücksichtigt wurde.


“Sechs Häuser” Arbeiterwohnhäuser erbaut 1862, sie stehen jetzt unter Denkmalschutz.

Der Großbrand vom 26. November 1898

Der Großbrand von 1898 Ruine des Hauptgebäudes

Der Großbrand von 1898 Ruine des Hauptgebäudes (1)

“Am 26. November 1898, vormittags gegen 8 Uhr, brach im 4. Stockwerk des Spinnereigebäudes Feuer aus. Bei dem Vorhandensein einer Unmenge leicht brennbarer Stoffe griff dasselbe mit erschreckender Schnelligkeit um sich, so daß bald alle Versuche, das Feuer im Keime zu ersticken, erfolglos blieben. … Nach Verlauf von kaum 1,5 Stunden war der große sechsstöckige Bau unserer Spinnerei in sich zusammengesunken und bis auf die kahlen Umfassungsmauern vollständig ausgebrannt.” (1) Es war ein Todesopfer zu beklagen, der Arbeiter wollte allen Warnungen zum Trotz, noch etwas aus seinen Spind retten. Das Gebäude hatte übrigens schon Fluchttreppen an den Stirnseiten.

Weitere Entwicklung

1912 bezeichnete sich die Baumwollspinnerei selbst als eine der größten und modernsten Spinnereien Deutschlands.

Ab 1920 begann man mit dem Aufbau einer Unternehmensgruppe, es wurden Mehrheitsbeteiligungen an der Spinnerei und Buntweberei Pfersee AG und der Baumwollspinnerei Unterhausen AG erworben. Das war der Beginn einer Reihe von Zukäufen vor und nach dem 2. Weltkrieg. Als Dachgesellschaft gründete man 1926 die Kolbermoor-Union AG. Ab 1976 begann eine Entflechtung dieses Gebildes, der Schlußpunkt: 1993 stellten die verbliebenen Produktionsstätten, darunter auch das Werk Kolbermoor, den Betrieb ein. Das Gelände in Kolbermoor war bis 2006 dem Verfall preisgegeben. Jetzt ist dort ein Gewerbepark entstanden, eins der zwei dreistöckigen Hauptgebäude ist erhalten geblieben und es sind dort Loftflächen für Büros, Galerien usw. entstanden. Auch viele Nebengebäude sind renoviert und beherbergen verschiedene Gewerbe.

Werner Thiele, Bernried

Quellennachweis:

(1) Historische Aufnahmen und Textquellen aus “Denkschrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Baumwollspinnerei Kolbermoor 1862″

Dieser Artikel basiert auf meinen Artikel in der Sammlerzeitschrift “der aktiensammler”, hier für das Internet aufgearbeitet.

Weitere Bilder

Luftaufnahme von Kolbermoor Ansichtskarte nach 1945

Luftaufnahme von Kolbermoor Ansichtskarte nach 1945

Haupthaus 2008

Haupthaus 2008

Haupthaus 2010

Haupthaus 2010

Heimatmuseum Kolbermoor

Heimatmuseum Kolbermoor-ein Besuch lohnt sich !

Ehemalige Arbeiterwohnhäuser in Kolbermoor

Ehemalige Arbeiterwohnhäuser in Kolbermoor

Historisches Firmenschild am Turbinenhaus 2

Historisches Firmenschild am Turbinenhaus 2


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