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Historische Wertpapiere

~ Spurensuche

Historische Wertpapiere

Kategorien-Archiv: Spurensuche in Sachsen

Der Bergmannsdom in Annaberg

02 Mittwoch Mai 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Schlagwörter

Annaberg, Bergaltar, Erzgebirge, silberbergbau, St. Annen

Der Kirchenbau von St. Annen thront als wuchtiger Bau über der Stadt Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Der Grundstein für diese geschichtsträchtige Kirche wurde 1499 gelegt, sieben Jahre nach dem ersten Silberfund und drei Jahre nach der Stadtgründung. Seinen Namen erhielt der “Bergmannsdom” von Anna, der Großmutter Jesu und Schutzpatronin der Bergleute. Durch die reichen Silberfunde am Fuße des Schreckensteins stieg Annaberg zur zweitgrößten Stadt Sachsens hinter Freiberg auf. 12.000 Menschen lebten zu jener Zeit in der Stadt, die vom Landesvater, Georg den Bärtigen, ausgiebig privilegiert wurde. Unter seiner Regentschaft wurde der Bergmannsdom erbaut. Der Bau verschlang in rund 25 Jahren drei Baumeister, die keineswegs unter Sparzwängen zu leiden hatten.

Kirche St. Annen in Annaberg vom Pöhlberg gesehen

Kirche St. Annen in Annaberg vom Pöhlberg gesehen, eigene Aufnahme vom April 2012

St. Annen ist eine offene Kirche. Jeder Besucher kann sie von 10 bis 17 Uhr betreten. Neben dem Hauptaltar befinden sich in der Kirche der Marienaltar der Münzer und Schmelzer, der Bäckeraltar und der Bergknappschaftsaltar. Sie wurden von diesen Berufsständen gestiftet. Der Besucher kann sie im Rahmen einer Führung besichtigen.

Relief Der Bergmann vor Ort in der Kirche St. Annen in Annaberg

Relief Der Bergmann vor Ort in der Kirche St. Annen in Annaberg, eigene Aufnahme

Mich interessierte besonders der Bergaltar, speziell die berühmte Rückseite. Die Annaberger Bergleute schenkten diesen Altar der St. Annenkirche. Bezahlt wurde das Werk, Kostenpunkt 800 Gulden, durch den “Büchsenpfennig”. Pro Woche spendete jeder Bergmann einen Pfennig seines Verdienstes. Die Rückseite des Bergaltars gilt als die älteste sächsische Bergbaudarstellung, als Maler wird Hans Hesse genannt. Seine Bilder erzählen u. a. die Legende von der Entdeckung des Silbererzes.

Ich habe die Kirche zweimal besucht, dabei auch den Turm bestiegen, und möchte mit diesem Artikel auf ein gewichtiges Stück Bergbaugeschichte aufmerksam machen.

Quellenangabe: Sankt Annen-Der Bergmannsdom in Annaberg-Buchholz, eine Sonderedition der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde, Chemnitzer Verlag, ISBN 078-3-937025-61-2

Meine Meinung: Ein Prachtband, man sollte sich ihn gleich besorgen, da er später im Antiquariat sicher das zwei bis dreifache kostet.

Buch St. Annen-Der Bergmannsdom in Annaberg-Buchholz

Buch St. Annen-Der Bergmannsdom in Annaberg-Buchholz

Silberbergbau in Edle Krone im Tal der Wilden Weißeritz

04 Sonntag Mar 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Schlagwörter

Edle Krone, höckendorf, kux, silberbergbau, theler, weisseritz

XXXI. Auktion des Hanseatischen Sammlerkontors für Historische Wertpapiere: das Los 933, ein Kux-Schein der Gewerkschaft Edle Krone wird mit 3.200 EUR zugeschlagen, Ausruf 2.000 EUR.

Kux Edle Krone Ausschnitt

Quelle: Katalog XXXI. Auktion Hanseatisches Sammlerkontor für Historische Wertpapiere

Edle Krone ist der Name eines Bahnhofs zwischen Freiberg und Dresden und macht auf eine Bergbautradition beiderseits der Wilden Weißeritz aufmerksam. Es gibt hier im Tal die Legende vom Höckendorfer Ritter Conrad Theler, der schon frühzeitig nach Silber gesucht haben soll. Bei einem Festgelage unter Tage wurde der Stollen durch einen Wolkenbruch geflutet und die Übermütigen fanden durch “Ersaufen” ein Ende. Das soll im August 1557 gewesen sein. Bewiesen ist der Verkauf des Besitzes Höckendorf 1565 an den Kurfürst August für 25 000 Gulden. Der Kurfürst hatte den Verkauf erzwungen, er wollte ein großes Hofgut um Reichstädt-Berreuth schaffen. Im Dreißigjährigen Krieg ging der Bergbau ein.

Edle Krone Thelerschacht 1858

Der Thelerschacht gehörte zur Grube Unverhofft Glück linkerseits der Weißeritz, Lithographie von 1858

Ab etwa 1790 wurde zwischen Klingenberg und Tharandt wieder Bergbau betrieben, allerdings mit wenig Erfolg. Erwähnenswert sind nur die beiden Gruben Unverhofft Glück und Edle Krone, beide im Weißeritztal, oberhalb des jetzigen Bahnhofs Edle Krone, gelegen. 1798 begann eine Gewerkschaft, Edle Krone neu zu  erschließen. Von 1806 bis 1817 standen Einnahmen von 1 400 Thaler zu Buche, die Ausgaben betrugen 13 800 Thaler. Trotz dieses Mißerfolges unternahm 1856  eine neue Gewerkschaft wieder einen Versuch. Hier kommt nun der versteigerte Kux-Schein von 1857 ins Spiel. Er lautete ja über 2/10 einer Kux, wahrscheinlich um den Verkauf attraktiver zu machen. Im Gegensatz zu einer Aktie berechtigte eine Kux nicht nur zum Empfang eines Gewinns, sondern verpflichtete auch zur Zahlung einer “Zubuße”, wenn der Grubenbetrieb es erforderte. Lediglich die Kirche und die Schule bekamen zwei Freikuxe. Schon die erste Zahlungsverweigerung einer Zubuße bedeutete den Verlust der Kux.

Ehemaliges Hotel "Unverhofft Glück" in Edle Krone

Ehemaliges Hotel "Unverhofft Glück" in Edle Krone

Nachdem die Edle Krone bis 1884 200 000 Thaler verbraucht hatte, wurde der Betrieb eingestellt. Viele Kuxbesitzer waren schon vorher mutlos geworden, der Kuxbestand betrug 1884 nur noch 19 1/4 Stück.  Erhalten geblieben ist das Huthaus, rechtsseitig der Wilden Weißeritz. Ähnlich erging es der auf der anderen Seite der Weißeritz gelegenen Grube Unverhofft Glück. Beide Huthäuser besaßen ein Schankrecht, darauf baute man auf und bewarb Edle Krone als Sommerfrische. Vorteilhaft war der Bau der Eisenbahn 1861 und der Drang der Bürger ins Grüne. Wer heute durch Edle Krone fährt, kann sich schwerlich den Mini-Ort als Sommerfrische vorstellen. Der Bahnhof Edle Krone von 1862 ist in der Form eines Pferdegöpels aus dem Bergbau gestaltet und steht unter Denkmalschutz. Die Gemeinde Höckendorf, zu dem Edle Krone gehört, hat den Bahnhof 2012 gekauft.

Bahnhof Edle Krone im Tal der Wilden Weißeritz

Bahnhof Edle Krone im Tal der Wilden Weißeritz, Qelle: Wikipedia, Urheber Liesel

verwendete Literatur: Bergbau im Erzgebirge-Technische Denkmale und Geschichte, Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, 1990, verschiedene Autoren (das Buch ist vergriffen, ich habe 2 antiquarische Angebote entdeckt mit Phantasiepreisen zu je 199 EUR, bei ZVAB war Fehlanzeige)

O.L. Kummer-Dresdens vergessener Industriepionier

22 Mittwoch Feb 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Schlagwörter

Dresden, fischinger, kummer, sachsenwerk

Vor 125 Jahren gründete der Kaiserliche Marine-Ingenieur und spätere Königlich Preußische Kommerzienrat O.L. Kummer im Dresdener Stadtteil Niedersedlitz das Unternehmen O. L. Kummer & Co., Werkstätten für Electrotechnik, Mechanik u. Maschinenbau. Daraus sollte bis Ende des 19. Jahrhunderts eines der größten europäischen Elektrounternehmen entstehen. 1888 zählte die Firma 25 Mitarbeiter, zur Jahrtausendwende waren es über 2.000 Arbeiter und Angestellte und damit das größte sächsische Industrieunternehmen.

Historische Anzeige Kummer

Historische Anzeige von den Anfängen Kummers

Am Anfang, nicht verwunderlich, wurden eine beträchtliche Anzahl deutscher Schiffe mit Beleuchtungstechnik von Kummer ausgerüstet. Dazu gehörte später auch die vollständige elektrotechnische Ausrüstung der Flotte des Norddeutschen Lloyd. Doch Kummer hatte Größeres vor. Sein Unternehmen in Niedersedlitz lag direkt an der Fernbahnstrecke der Böhmisch-Sächsischen Staatsbahn, die Dresden mit Prag und ganz Südosteuropa verbindet. Daraus ergaben sich viele lukrative Perspektiven. Als erstes brauchte er einen Fachmann für Fabrikneubauten und dazu sollte er auch noch sehr viel von Elektrotechnik verstehen. Dieser Mann ist der 27jährige Badener Ingenieur Fischinger (1860-1931). Er hat sich bei der Chemnitzer Firma Pöge sehr verdient gemacht und Kummer wird ihn abgeworben haben. Fischinger wird Chefingenieur und von 1894 bis 1899 Direktor der Fabrik.

Die älteste noch vorhandene Kummer-Maschine

Secunda-Dynamo 4011, Baujahr 1891, Konstrukteur Fischinger, Archiv VEM

1889 stirbt Kummers Vater, ein bekannter Dresdner Kunstmaler, sein ausbezahltes Erbteil nutzt Kummer zum verstärkten Ausbau seiner Produktion. Er macht sein Werk mit Riesenschritten zur Wiege der industriellen Fertigung elektrischer Maschinen in Europa. Als weiteren Spezialisten gewinnt er den Wissenschaftler Dr.-Ing. Max Corsepius als Oberingenieur und Prokurist für die Firma. Corsepius hält nebenbei Vorlesungen an der Technischen Hochschule Dresden zum Thema Konstruktion von Dynamomaschinen und elektrischen Bahnen.

Ein Blick auf die historischen Zustände jener Zeit:

“Von 1890 bis 1895 war in der Wirtschaft Europas ein Stillstand eingetreten. Es hatte sich sehr viel Kapital angesammelt, das nach Betätigung suchte. Nun erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung auf allen Gebieten. Der Bau neuer Bahnlinien im In- und Auslande, die Vermehrung der Kriegsflotten aller Großmächte, die Entdeckung der Elektrischen Straßenbahnen und die Notwendigkeit von Zentralen für elektrisches Licht brachten für alle Zweige der Volkswirtschaft Beschäftigung. Es verbreitete sich ein grenzenloser Optimismus für Industriewerte.” (1)

Gründeraktie von O. L. Kummer 1894

Die Gründeraktie von 1894

1894 erstreckt sich die Geschäftstätigkeit von Kummers Firma über halb Europa, die Beschäftigtenzahl wächst unaufhörlich und die Produktionshallen müssen mitwachsen. Zur Kapitalbeschaffung gab es nur einen Weg, die Gründung einer Aktiengesellschaft. So wurde am 23. Juni 1894, mit Rückwirkung zum 1. Januar 1894, die Aktiengesellschaft Elektrizitätswerke (vormals O. L. Kummer) in Dresden gegründet. Das Aktienkapital betrug 1 500 000 Mark, begeben zu 116 Prozent. Zu den Gründern der Aktiengesellschaft Kummer gehörten die beiden Dresdner Bankhäuser George Meusel & Co. und Horn & Dinger. Diese beiden Bankhäuser wurden 1895 von der Creditanstalt für Industrie und Handel, Dresden übernommen. Das Aktienkapital wurde in den folgenden Jahren ständig erhöht:

1896 um 1 000 000 Mark, begeben zu 130 Prozent
1897 um 2 000 000 Mark, begeben zu 160 Prozent
1898 um 3 000 000 Mark, hiervon dienten 1 200 000 Mark zum Erwerb von 1 500 000 Aktien der Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft vorm. Herm. Pöge, Chemnitz, während 1 800 000 Mark von der Dresdener Kreditanstalt zu 165 Prozent übernommen und den Aktionären zu 170 Prozent angeboten wurden
1899 um 2 500 000 Mark, begeben zu 130 Prozent
somit betrug 1899 das Aktienkapital 10 000 000 Mark.

Hinzu kamen noch einige Anleihen, die sich 1901 auf 4 000 000 Mark bezifferten.

In der “Wirtschaftsgeschichte Sachsens im Industriezeitalter” von Rainer Karlsch und Michael Schäfer ist dazu folgendes zu lesen:

“Das bedeutendste dieser Unternehmen, die Firma O. L. Kummer & Co. in Niedersedlitz bei Dresden, übernahm in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre in Sachsen und in anderen deutschen Staaten den Bau zahlreicher Elektrizitätswerke im Auftrag von öffentlichen und privaten Kunden sowie auf eigene Rechnung. Um in diesem Geschäft konkurrenzfähig zu bleiben, mussten große Mengen an Kapital mobilisiert werden. Die Firma Kummer war 1894 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden und erhöhte ihr Grundkapital von zunächst 1,5 Mio. Mark in den nächsten fünf Jahren sukzessive auf insgesamt 1o Mio. Mark. Im Zuge seines schnellen Wachstums geriet das Unternehmen aber zunehmend unter die Kontrolle ihres wichtigsten Geldgebers, der Kreditanstalt für Industrie und Handel. Diese Bank hatte sich erst 1895 dem Industrieanlagengeschäft zugewandt, verfolgte dabei aber allzu ehrgeizige Pläne. Schon 1896 übernahm die Kreditanstalt für Industrie und Handel die Führung bei der Gründung der Allgemeinen Industrie-Aktiengesellschaft, unter deren Dach schnell ein ausgedehnter Konzern der elektrotechnischen Industrie entstand. Den Kern dieses Firmenkonglomerats bildete die Kummer AG. Darum gruppierte sich eine Reihe weiterer Industriefirmen, darunter das Chemnitzer Elektro-Unternehmen Pöge sowie eine größere Anzahl neu gegründeter Träger- und Finanzierungsgesellschaften für Elektrizitätswerke. Der Kummer-Konzern betrieb mit den von der Kreditanstalt für Industrie und Handel mobilisierten Kapitalien und Krediten in den folgenden Jahren eine geradezu hemmungslose Expansionspolitik. In der kurzen, aber scharfen Konjunkturkrise der Jahrhundertwende brach dieses Gebilde wie ein Kartenhaus zusammen und die Aktiengesellschaft Elektrizitätswerke vormals O. L. Kummer & Co. musste 1901 in Konkurs gehen.” (2)

Creditanstalt für Industrie und Handel 1897

Creditanstalt für Industrie und Handel 1897

Noch genauer wird das Unternehmen in “Die Bankkatastrophen in Sachsen im Jahre 1901″ beschrieben. Der Autor Dr. Arthur Schulze nimmt die Gesellschaft detailliert auseinander:

An der Spitze steht das Bauhaus, die AG Elektrizitätswerke vorm. O. L. Kummer & Co. Dresden mit 22 Vertretungen im In- und Ausland, gegründet 1894.

Die Aufnahmegesellschaften:
1. AG für elektrische Anlagen und Bahnen in Dresden, gegründet 1895
2. Allgemeine Industrie-AG in Dresden, gegründet 1896
3. Elektrizitätswerke Betriebs-AG in Dresden, gegründet 1900

Die Ergänzungsfabriken:
1. AG Deutsche Kabelwerke, vorm. Hirschmann & Co. Berlin, gegründet 1896
2. Wagenbauanstalt und Waggonfabrik für elektrische Bahnen vorm. W. C. F. Busch, AG in Hamburg und Bautzen, gegründet 1896
3. Elektrizitäts-AG vorm. Hermann Pöge, Chemnitz, gegründet 1897
4. Maschinen- und Werkzeugfabrik, AG vorm. Aug. Paschen in Cöthen, gegründet 1897
5. AG Holm, Danzig, gegründet 1899

Ferner gehörten zum Konzern 3 Provinzial-Aufnahme-Gesellschaften und 6 Individual-Betriebs-Gesellschaften.

Unter den Gründern, Aufsichtsräten und Direktoren dieser Gesellschaften finden sich fast stets die gleichen Personen. Über die Gründungsvorgäne selbst zitiert der Autor die Revisionskommission der Dresdner Kreditanstalt:

” Nach den Buchungen zu urteilen, ist eine solche Gründung folgendermaßen vor sich gegangen: Vielleicht eine Stunde vor Beginn der betreffenden Gründersitzung sind die Gründer an der Kasse der Kreditanstalt erschienen und haben sich dort jeder die Summe geben lassen, mit welcher er sich an der Gründung beteiligen wollte. In der Sitzung selbst hat dann der Notar die Herren aufgefordert, dem § 195 des H. G. B. zu entsprechen, nämlich die darin geforderte bare Einzahlung von mindestens ein Viertel des Nennbetrages der Aktien zu leisten. Nachdem das geschehen, hat dann der Notar die Gesamtsumme dem Direktor der soeben gegründeten Gesellschaft übergeben, und dieser hat dieselbe darauf an der nämlichen Kasse der Kreditanstalt wieder abgeliefert.”

Im Jahre 1899 machten sich Anzeichen eines Abflauens der Konjunktur bemerkbar. Im Geschäftsbericht der Deutschen Bank von 1898 war zu lesen: “Unsere Thätigkeit auf dem Gebiete der elektrischen Unternehmer-Geschäfte war eine ziemlich lebhafte; indessen ist durch die steigende Concurrenz und die anscheinende Leichtigkeit der Geldbeschaffung die Anzahl der begehrenswerten Objecte stark verringert worden”

Gründeraktie der Sachsenwerk Licht- und Kraft-AG vom 1. Mai 1903Damit stockte auch der Absatz der Aktien und hörte ganz auf. Das war aber die wichtigste Geldquelle gewesen. Die Dresdner Kreditanstalt musste nun ihren Diskontkredit erweitern. Dazu stellte sie zur Rediskontierung Wechsel aus. Auch diese Quellen wurden misstrauisch und versiegten. Am 12. Juli 1901 wurde eine Generalversammlung der Kreditanstalt für Industrie und Handel einberufen und der Beschluss über die Liquidation der Gesellschaft gefasst. Da die Kreditanstalt der fast alleinige Geldgeber des Kummer-Konzerns war, brach dieser in sich zusammen und beantragte ebenfalls die Eröffnung des Konkurses. Der einberufene Gläubigerausschuss sah sich nun vor komplizierte Aufgaben gestellt. Das weitverzweigte Kummer-Imperium ließ sich nicht einfach liquidieren. Schon bald wurde von einer Reorganisation gesprochen. Als Ergebnis wurde 1903 (die Gründeraktie trägt das Datum vom 1. Mai 1903) die Sachsenwerk Licht- und Kraft AG mit einem Grundkapital von 1 500 000 Mark gegründet. Eine Führungsrolle bei dieser Umwandlung hatte das Dresdner Bankhaus Gebr. Arnhold. Die Geschichte des Sachsenwerkes lässt sich bis in die Gegenwart verfolgen, das dauert aber etwas länger.

Oskar Ludwig Kummer

Oskar Ludwig KummerGeboren am 23. August 1848 in Dresden, Waisenhausstrasse 3, als Sohn von Prof. Kummer, Landschaftsmaler und dessen Ehefrau Auguste Wilhelmine. Nach der Elementarschule besucht er das Polytechnikum in Dresden, danach Ausbildung zum Marineingenieur an der Kaiserlichen Marineschule in Wilhelmshafen.
1875 Heirat mit Fanny Imhoff, geboren 1854 in Wien.
Bis 1879 lebt und arbeitet Kummer als Schiffsingenieur in Wilhelmshafen, danach Rückkehr nach Dresden. 1882 wird er im Geschäftshandbuch bereits als Mitinhaber der Firma O.L. Kummer & Co., Technisches Büro für Maschinenbau und Fabrikanlagen geführt, Schwerpunkt Schiffsbeleuchtung.

1898 wird Kummer im Dresdner Adressbuch wie folgt aufgeführt:
Oskar Ludwig Kummer, Königlich Preußischer Kommerzienrat, Kaiserlicher Marine- und Maschinenbau-Ingenieur a.D., Oberleutnant der Landwehr a.D., Generaldirektor der Fabrik Aktiengesellschaft Electricitätswerke (vorm. O.L. Kummer & Co.)

Die Zeit von 1901-1902 war für Kummer besonders schwierig, solch eine Niederlage hatte der angesehene Geschäftsmann bisher noch nicht erlebt. Erst 1906 hört man wieder von ihm, er gründet ein kleines Unternehmen mit 10 Mitarbeitern in der Dürerstrasse in Dresden. Nach 5 Jahren gibt er das Gewerbe auf. Er verstirbt vergessen am Gründonnerstag, den 4. April 1912 in der Dürerstrasse. Die Witwe Fanny überlebte ihren Gatten und verstarb 1944 im Alter von 90 Jahren.

“Oskar Ludwig Kummer hat mit seinem Wirken die Industrialisierung und Mechanisierung in Deutschland maßgeblich vorangetrieben und über zwei Jahrzehnte hinweg wichtige Grundlagen dafür geschaffen, dass Dresden weltweit auch als Wiege und als ein Zentrum des Elektromaschinenbaus in Europa wahrgenommen wird.”

Schlusswort aus dem Buch von Harald Müller: 160 Jahre Oskar Ludwig Kummer, Porträt einer herausragenden Dresdner Unternehmerpersönlichkeit, Dresden 2008
Ebenso stammen alle persönlichen Angaben über O.L. Kummer aus obigen Buch.

(1) “Die Bankkatastrophen in Sachsen im Jahre 1901″ von Dr. Arthur Schulze, Tübingen 1903 in Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Ergänzungsheft IX.

(2) “Wirtschaftsgeschichte Sachsens im Industriezeitalter” von Rainer Karlsch und Michael Schäfer,2006, Edition Leipzig

Ein Kummer-Projekt von 1892

Ein Kummer-Projekt von 1892-Elektricitäts- und Wasserwerk für Loschwitz, Blasewitz und Weisser Hirsch

Entworfen wurde dieses Bauwerk vom Architektenbüro Schilling & Graebner aus Dresden, sehr bekannte Architekten, die für viele sächsische Bauwerke verantwortlich zeichnen. Dieses Bauwerk aber dürfte nie verwirklicht worden sein. Gern lasse ich mich von Dresdner Heimatforschern berichtigen.

Werbeplakat Süddeutsche elektrische Lokalbahnen

Werbeplakat Süddeutsche elektrische Lokalbahnen oder O. L. Kummer in Oberbayern

Der Weißeritzmühlgraben

20 Montag Feb 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Schlagwörter

Dresden, Papierfabrik, Papiermühle, Weißeritz, Weißeritzmühlgraben

Der Weißeritzmühlgraben in Dresden gilt als das Rückgrat einer beginnenden Dresdner Industrie. Er begann in Dresden-Löbtau, wo die Weißeritz gestaut wurde und diente bis zum Eintritt in die Elbe als Energiequelle für eine große Anzahl von Mühlen. Die Mühlen gibt es nicht mehr und der Mühlgraben wurde  1937 endgültig zugeschüttet. Ich wusste bis vor kurzer Zeit nichts von der Existenz dieses Mühlgrabens, bis mir bei einer Recherche über Dresdner Literatur das Buch von Wolfgang Müller und Frank Laborge “Geschichten aus dem alten Dresden-Mit dem Weißeritzmühlgraben durch unsere Stadt” auffiel. Inzwischen gibt es auch eine sehr gut gemachte Webseite von Wolfgang Müller dazu. Zu Buch und Webseite gibt es nichts hinzuzufügen, außer den Hinweis auf ein Historisches Wertpapier (siehe unten).

zur Homepage Weisseritzmühlgraben

zur Homepage Weisseritzmühlgraben

Im Buch wird auch eine Papiermühle erwähnt. Diese wurde ca. 1858 von der neugegründeten Dresdner Papierfabrik übernommen. Im Sammlermarkt ist die Gründeraktie von 1860 bekannt. Das unten abgebildete Papier wurde für 250 EUR auf der 97. Auktion der F.H.W. zugeschlagen.

Gründeraktie Dresdner Papierfabrik 1860

Gründeraktie Dresdner Papierfabrik 1860, Quelle: Katalog der 97. Auktion der Freund Historischer Wertpapiere

Trotz der guten Qualität des hergestellten Papiers war ein Konkurs nicht abzuwenden. Die Liquidation war 1915 beendet und das Grundstück an die Eisenbahnverwaltung abgegeben.

 

 

Die Actien-Gesellschaft Sächsische Kammgarnspinnerei zu Harthau i. Erzgebirge

16 Donnerstag Feb 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Schlagwörter

Baumwollspinnerei, Erzgebirge, Harthau, Kammgarnspinnerei, Textilindustrie

Die Actien-Gesellschaft Sächsische Kammgarnspinnerei zu Harthau ist eine der ältesten Textil-AGs im Erzgebirge. Die Fabrik entstand um 1800 herum und ist bekannt als Bernhardsche Spinnerei. Damals war in Sachsen ein Engpass an Garnen, besonders an feinen Garnen, wie sie in England hergestellt wurden. Auf verschiedenen Wegen wurde nun Technik und Wissen aus England besorgt und die Fabrik durch ein “Privilegium exclusivum” vor Konkurrenten geschützt. Das ging bis 1815 gut, dann fiel die Kontinentalsperre. Die Baumwollspinnerei ging in Konkurs. Dann gab es verschiedene Nutzer. 1830 gründete Friedrich Georg Wieck den “Aktienverein der Sächsischen Bobinett-Manufaktur” und zog später in die Räumlichkeuten ein. 1838 musste er die Gesellschaft auflösen, da die Preise für Bobinttstoffe drastisch gefallen waren. Die Liegenschaft geriet dann in das Eigentum des Chemnitzer “Wollkönigs” Solbrig, der nun eine Kammgarnspinnerei betrieb. 1871 ging die Spinnerei in das Eigentum der neugegründeten Sächsischen Kammgarnspinnerei über. Da die Unterschrift Solbrigs auf der Gründeraktie zu sehen ist, nehme ich an, dass er weiter das Sagen hatte. Allerdings ist er 1872 verstorben. Die Gründeraktie ist ebenso wie die Vorzugsaktie vom 18.11.1889 nicht im RB-Schatz vorhanden gewesen.

1927 fand eine Umbenennung der AG statt. Aufgrund der Fusion mit der Kammgarnspinnerei Schaefer & Co., AG in Harthau und der Wollindustrie AG, Chemnitz lautete der neue Name: Vereinigte Kammgarnspinnereien AG, Harthau, Bezirk Chemnitz. Im RB-Schatz wurden 950 Stück über 1000 RM vom 26. August 1927 gefunden. Laut Peus fand 1931 ein Vergleichsverfahren statt, im Aktienhandbuch 1938 nicht mehr aufgeführt.

Ein richtig seltenes Papier aus dem RB-Schatz in der Erhaltung V, 1 Stück: Wollindustrie-AG, Köln, 4000 Mark, vom Januar 1923
Der Sitz der AG war bis 1921 Chemnitz und sie war Mehrheitsaktionär der Sächsischen Kammgarnspinnerei zu Harthau und der Kammgarnspinnerei Schaefer & Co., ebenfalls Harthau. Im Aktienhandbuch 1932 nicht mehr aufgeführt.
Quelle für Text und Bild: Dr. Busso Peus

Gründungsbau der Anlage an der Klaffenbacher Strasse ist die bis heute erhaltene Spinnmühle von 1799. Gegenüber ist das repräsentative Wohn- und Kontorhaus der Bernhards zu sehen. Beide Gebäude sind hervorragend restauriert und einer neuen Nutzung zugeführt.

Literatur: Zur Gründung der ersten Baumwollmaschinenspinnerei in Sachsen, Herausgeber Gert Richter, Verlag Heimatland Sachsen GmbH Chemnitz, 1999

Ehemaliges Wohn- und Kontorhaus Bernhard 2011

Ehemaliges Wohn- und Kontorhaus Bernhard 2011

Balkon des Kontorhauses mit englischen B für Bernhard

Balkon des Kontorhauses mit englischen B für Bernhard

Portal der ehemaligen Spinnrei

Portal der ehemaligen Spinnrei

Von Leipzig nach München-die Geschichte von Giesecke & Devrient

21 Samstag Jan 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Bayern, Spurensuche in Sachsen

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Schlagwörter

Banknotendruck, Devrient, Druckerei, Giesecke, Otto

Die Geschichte von Giesecke & Devrient ist die Geschichte eines erfolgreichen Unternehmens, immer eng verbunden mit den beiden Familienstämmen. Das Unternehmen hat drei Kriege, Inflation und eine Enteignung nach 1945 überstanden.

1852 gründeten der 21jährige Hermann Giesecke (1831-1900) und der 31jährige Alphonse Devrient (1821-1878) in Leipzig die Buch-, Kupfer- und Steindruckerei Giesecke & Devrient. Sie beabsichtigten vor allem, sich dem Buch- und Kunstdruck zu widmen. Durch die außerordentlich hohe Qualität ihrer Arbeit hatten sie schnell Erfolg, allerdings auch Probleme, da die Produktionskosten sehr hoch waren.

1854-erste Ehrenmedaille der Allgemeinen Deutschen Industrie-Ausstellung zu München

1854-Aufnahme der Verlagstätigkeit, besondere Aufmerksamkeit gehörte dem qualitätsvollen Buchdruck

1856-Anfänge des Banknotendrucks

Die Erfahrung im Kupfer- und Stahldruck war die Grundlage für den Einstieg in den Banknotendruck. Eines der ersten Erzeugnisse war eine 10-Taler-Note für die Herzoglich-Altenburgische Regierung.

1871-Wertpapierdruck mit Beginn der Gründerjahre

In Deutschland entstanden in kurzer Zeit über 850 neue Unternehmen mit einem Gesamtkapital von 1,4 Milliarden Taler. Diese Entwicklung löste für Giesecke & Devrient eine große Zahl von Aufträgen aus. Der Talersammler kann dies bestimmt bestätigen.

1889-Gründung einer Niederlassung in Berlin

Berlin war durch die Reichsgründung zur politischen Hauptstadt Deutschlands geworden, es war wichtig, dort präsent zu sein.

1894/95-ein siebenstöckiger Erweiterungsbau wird fertiggestellt, der elektrische Einzelantrieb wird eingeführt.

1901-Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft

1900 stirbt mit Hermann Giesecke auch der zweite Firmengründer. Die OHG wird in eine KG umgewandelt. Den Schritt zur Familiengesellschaft vollzogen viele Unternehmen, weil es eine klare Trennung zwischen persönlich haftenden Gesellschaftern (Komplementären) und den nur mit ihrer Kapitaleinlage haftenden Kommanditisten gab.

1914

Der Erste Weltkrieg brachte auch für G & D nichts Gutes, jedenfalls am Anfang. Der Mangel an Arbeitskräften, Rohstoffen und Aufträgen machte schwer zu schaffen. Durch die Aufhebung der Goldwährung verfünffachte sich die Geldmenge bis zum Kriegsende. Ab Mitte 1915 erhielt die Firma Aufträge wie nie zuvor. Die Zahl der ausgelieferten Banknoten explodierte.

1931-Wandlung in eine Aktiengesellschaft

Auch hier war ein Todesfall der Auslöser. Raimund Giesecke, Sohn des Firmengründers Hermann Giesecke, war gestorben. Er hatte viele Jahre in der Leitung der Firma gearbeitet und besaß auch die Hälfte des Kapitals der Firma. So war noch zu seinen Lebzeiten beschlossen worden, die KG in eine AG zu wandeln, an der nur die Gründerfamilien beteiligt sein sollten. Auch für die Weitergabe von Anteilen innerhalb der Familien gab es strenge Regeln.

Datum/Ort

Nominal

Auflage

Bek. Stücke

0.2.1939

1000

1250

450 RB

2.2.1942

1000

500

115 RB

1943-Die Zerstörung

In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 wurde das Gebäude von G & D durch einen Bombenangriff schwer getroffen, das Wertpapierkontor wurde völlig zerstört, und sämtliche im Haus befindlichen Aufträge vernichtet. Trotzdem wurden im April 1944 wieder die vollen Umsätze erreicht. Bestes Beispiel dafür ist die Aktie der Dresdner Hof AG, Leipzig vom Januar 1945.

1945-Das Ende in Leipzig

Im Juli 1945 wurde Sachsen durch die sowjetische Armee besetzt und die Beschlagnahme von Wirtschaftsbetrieben durchgeführt. Auch G & D war davon betroffen. So wurde Ludwig Devrient sen. von russischen Offizieren verhaftet und verstarb 1948 im NKWD-Lager Bautzen.

1948-Neuanfang in München

In Leipzig wurde ebenfalls Siegfried Otto von den Russen verhaftet. Otto hatte 1943 Jutta Devrient, die Tochter von Ludwig Devrient, geheiratet. Vorher hatte er noch Druckplatten nach Würzburg zu Koenig & Bauer gebracht. Nach dreijähriger Gefangenschaft in Russland wurde er 1948 nach München entlassen. Im Juni 1948 fand eine außerordentliche Hauptversammlung der AG in München statt. Es wurde beschlossen, den Sitz der Gesellschaft von Leipzig nach München zu verlegen. Siegfried Otto wurde zum alleinigen Vorstand bestellt. Er war nun Vorstand einer AG ohne Personal, Räume und Maschinen. Die noch lebenden Fachkräfte fanden “mit der Sicherheit von Zugvögeln” ihren Weg von Leipzig nach München.
Mit Hilfe der Deutschen Bank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank konnte im Jahr 1952 eine dringend benötigte Kapitalerhöhung durchgeführt werden. Das bisherige Aktienkapital der AG betrug nach der Wertpapierbereinigung 140 000 DM. 1952 wurde das Stammkapital um 860 000 DM auf 1 Million DM erhöht. Siegfried Otto übernahm Aktien im Wert von 500 000 DM, die Süddeutsche Bank und die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank übernahmen je 180 000 DM

1958-G & D wird in eine GmbH gewandelt

1964-Die Gründung der Papierfabrik Louisenthal

Bis zu diesen Zeitpunkt wurde das benötigte Banknotenpapier im Ausland hergestellt. Nun hatte man Sicherheitsbedenken. Allerdings war keine Firma in Deutschland in der Lage, dieses Papier herzustellen. Also beschloss G & D, selbst tätig zu werden. Ein geeignetes Objekt fand man am Tegernsee mit der Papierfabrik Louisenthal C. Haug & Co. KG. Die Fabrik war technisch veraltet, verfügte jedoch über sehr gute infrastrukturelle Voraussetzungen.

Die Geschichte von Louisenthal

1991-die Papierfabrik Königstein/Sachsen wird eine hundertprozentige Tochter der Papierfabrik Louisenthal

Im Falle einer Übernahme dieser traditionsreichen Papierfabrik durch einen Konkurrenten wäre der herrschende Preiskampf auf dem Gebiet der Banknotenherstellung noch verstärkt wurden. Die Papierfabrik Königstein stellte seit 1976 das Banknotenpapier für die Staatsbank der DDR her.

Die Geschichte der Papierfabrik Königstein

Für den Sammler Historischer Wertpapiere soll hier die Geschichte enden. Giesecke & Devrient ist heute ein weltweit agierender High-Tech-Konzern mit ca. 10 000 Mitarbeitern.

Quellen:

Werte im Wandel der Zeit, Giesecke & Devrient 1852-2002 von Jan Hendrik Prell und Horst Böttge (limitierte Ausgabe von 2500 Stück)

Giesecke & Devrient-vom Typographischen Institut zum High-Tech-Unternehmen-mein eigener Artikel im “Aktiensammler” 5/2008

Historisches Gebäude G & D Leipzig 1857, Nürnberger Strasse

Historisches Gebäude G & D Leipzig 1857, Nürnberger Strasse; Quelle: Leipzigs Großindustrie und Großhandel , 1887

Provinzial-Actien-Bank Grossherzogtum Posen 20 Thaler 1857

Provinzial-Actien-Bank Grossherzogtum Posen 20 Thaler 1857

Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft 1874

Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft 1874, eines meiner Lieblingsstücke

Serbische Zentral-Wirtschaftsbank 1922

Serbische Zentral-Wirtschaftsbank 1922-etwas exotisches von G & D

Schuldverschreibung G & D 1931

in eigener Sache: Schuldverschreibung 8%, 1931

Giesecke & Devrient AG Leipzig 1939

in eigener Sache: Giesecke & Devrient AG Leipzig 1939

Dresdner Hof-AG Leipzig 1945

Dresdner Hof-AG Leipzig 1000 RM 1945 !

Daimler-Benz AG 1952

Daimler-Benz AG 1952-ein Stahlstich vom feinsten!

Bankhaus Herstatt Gründeraktie 1956

die Gründeraktie Bankhaus I. D. Herstatt , Köln, im Januar 1956

Ein weiteres Schmuckstück von G & D, man beachte die gestochene Schrift !

Koenig & Bauer 1979

Koenig & Bauer 1979

Papierfabrik Louisenthal, Empfangsgebäude, 2009

Papierfabrik Louisenthal, Empfangsgebäude, 2009, eher zufällig aufgenommen während einer Wanderung im Mangfalltal

Königsteiner Papierfabrik 1.5.1872

Königsteiner Papierfabrik 1.5.1872

Auf der 97. Auktion der Freunde Historischer Wertpapiere tauchte dieses rare Stück auf und wurde zum Ausrufpreis von 1500 EUR zugeschlagen. 1876 geriet die Gesellschaft in Konkurs und wurde für 120 000 Thaler verkauft. Neuer Eigentümmer wurde Hugo Hoesch (1850-1916) aus der Dürener Linie der Fabrikantendynastie Hoesch. Er baute die Fabrik zu einer der modernsten Feinpapierfabriken Deutschlands aus.

Der Dresdner Spar- und Bauverein

05 Donnerstag Jan 2012

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Baugenossenschaft, Dresden, Spar- und Bauverein

Der Dresdner Spar- und Bauverein wurde am 8. Februar 1898 gegründet. Sein Ziel war es, den Mitgliedern des Evangelischen Arbeitervereins in und um Dresden billige, freundliche Wohnungen zu schaffen. Im selben Jahr wurden 14 kleine Häuser und über 10 000 Quadratmeter Bauland vom Bauverein für Arbeiterwohnungen in Kaditz, der in Liquidation gegangen war, übernommen. Auf diesem Bauland entstand im nächsten Jahr ein Haus mit 22 Wohnungen, benannt nach dem Protektor des Vereins, Prinz Friedrich-August-Haus. Zum Bau stiftete der Vorstand der Chemischen Fabrik von Heyden, Dr. Kolbe, einen Betrag von 10 000 Mark. Dafür erhielt das Unternehmen das dauernde Verfügungsrecht über 5 der 22 Wohnungen zugunsten seiner Arbeiter. Dieses System behielt man bei späteren Bauten bei.
Quelle: Festschrift zur Vierzigjährigen Jubelfeier des Dresdner Spar- und Bauvereins

Friedrich-August-Haus in Dresden Kaditz

Quelle: Festschrift zur Vierzigjährigen Jubelfeier des Dresdner Spar- und Bauvereins

Wohnhaus Hellerauer Strasse Dresden Pieschen 1936

Quelle: Festschrift zur Vierzigjährigen Jubelfeier des Dresdner Spar- und Bauvereins

Aus Sicht der heutigen Forschung zählt der Dresdner Spar- und Bauverein zu den vier größten und erfolgreichsten Baugenossenschaften in Dresden bis zum Beginn des II. Weltkrieges. Er baute etwa 2.850 Wohnungseinheiten auf 22 Standorten in Dresden.

Dresdner- Spar- und Bauverein Schuldverschreibung über 300 RM, 1. September 1940

Dresdner- Spar- und Bauverein Schuldverschreibung über 300 RM, 1. September 1940

Im Sammlermarkt sind Namensanteilscheine von 1927 (200 RM), 1930 (200 RM), 1930 (400 RM), 1940 (600 RM) in Stückzahlen zwischen 1-3, alle RB-Schatz, bekannt. Die abgebildete Namens-Schuldverschreibung zu 4% wurde im September 1940 in Stückelungen zu 100, 300 und 500 RM aufgelegt. Im RB-Schatz 4-9 Stück.

Prinz-Friedrich-August-Haus Dresden-Kaditz 2007

Prinz-Friedrich-August-Haus Dresden-Kaditz 2007 aus Wikipedia, Autor X-Weinzar

Die Sächsische Maschinen-Fabrik zu Chemnitz

23 Freitag Dez 2011

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Chemnitz, Hartmann, Laubegast, Lokomotivbau

Über die Sächsische Maschinenfabrik zu Chemnitz, vormals Richard Hartmann, ist  viel geschrieben worden. So stand Chemnitz im Jahr 2009 ganz im Zeichen des 200. Geburtstages von Richard  Hartmann, geboren am 8. November 1809 in Barr. Deshalb möchte ich hier einige interessante Details und Literaturhinweise beisteuern.

Sächsische Maschinenfabrik Chemnitz 1870

Sächsische Maschinenfabrik Chemnitz, 4. April 1870, 200 Thaler

Eine absolute Rarität, im Sammlermarkt natürlich bekannt, aber meines Wissens niemals auf Auktionen zu sehen gewesen. Das abgebildete Stück mit der Nummer 9859 liegt wohlbehütet im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz. Damit sind auch die Urheber- und Verwertungsrechte genannt. Ich bedanke mich ganz herzlich beim Museum für die Erlaubnis zur Veröffentlichung. Ein weiteres Stück mit der Nummer 11354, Sammlung Heinig, ist mir aus der Literatur bekannt. Das Stück mit der Nummer 9859  stammt nach meinen Unterlagen aus der Sammlung von Manfred Denecke.

Das Gründungskapital betrug 2,5 Millionen Taler, 1872 wurde es auf 3 Millionen Taler, bzw. 9 Millionen Mark, erhöht. Der Gesellschaft gehörten 49 Aktionäre an. Die Familie Hartmann verfügte über 1052 Aktien. Richard Hartmann trat als Vorsitzender des Aufsichtsrates an die Spitze der AG, sein Sohn Gustav wurde zum Direktor ernannt.

Russische Gesellschaft der Maschinenbauwerke Hartmann 1899

Russische Gesellschaft der Maschinenbaufabrik Hartmann 1899

In den 1880er Jahren erschwerten verschiedene Staaten, so auch Russland, durch neue Zollbestimmungen die Einfuhr deutscher Produkte. Das traf die sächsische Wirtschaft hart. Gustav Hartmann war durch wiederholte Reisen nach Russland mit den dortigen Verhältnissen vertraut. Er wusste, daß ein Bedarf an Lokomotiven bestand. So schaffte er es, in Lugansk, Ukraine, einen Ableger der Sächsischen Maschinenfabrik zu gründen. Die Finanzierung erfolgte durch die Dresdner Bank und die Internationale Bank in St. Petersburg. Gustav Hartmann war seit 1887 Direktor der Dresdner Bank.

Sächsische Maschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann, Chemnitz, Januar 1901

Sächsische Maschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann, Chemnitz, Januar 1901, TSV zu 4,5%

Hier hat man sich 5 000 000 Mark besorgt. Die Anleihe war gestückelt in 3000 Teilschuldverschreibungen zu je 1.000 Mark und in 4000 Teilschuldverschreibungen zu je 500 Mark. Von der Serie A (1000 Mark) 27 Stück und von der Serie B (500 Mark) 34 Stück im Reichsbankschatz, alles Blanketten. Druck von Giesecke & Devrient.

Sächsische Maschinenfabrik Hartmann 1200 M 6.1923

Sächsische Maschinenfabrik Hartmann, 1200 M, Chemnitz, den 6. Juli 1923

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung vom Wertpapierantiquariat Benecke & Rehse.  Ein attraktives und seltenes Stück im Rasterdruck, es wurde auf der 95. und 99.FHW-Auktion zu je 1.400 EUR zugeschlagen. 1 Stück im Reichsbankschatz.

Hartmannsche Villa in Dresden-Laubegast

Hartmannsche Villa in Dresden-Laubegast, aus "Die Fähre"

Richard Hartmann ließ diese Villa (rechts) 1874-1877 am Laubegaster Ufer als Sommersitz erbauen. Es schloss sich ein Wasserturm an (später abgerissen) und das Verwalterhaus. Lange konnte sich Richard Hartmann nicht an der Villa erfreuen, denn er verstarb 1878. Sein Sohn Gustav verlegte 1881 seinen Wohnsitz hierher, es war wohl die bessere Luft. Er hatte neben seiner Tätigkeit in Chemnitz auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft Lauchhammer und einen Sitz im Aufsichtsrat der Dresdner Bank. Der Aufbau der Fabrik in Lugansk wurde weiter oben schon erwähnt. 1902 wurde er zum Testamentsvollstrecker des Friedrich Alfred Krupp. Das Familienunternehmen musste in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Gustav Hartmann litt zunehmend unter Herzbeschwerden und verstarb am 20.10.1910 im Sanatorium Ebenhausen bei München.

Hartmannsche Villa in Laubegast 2010

Hartmannsche Villa in Laubegast 2010

1900 gibt es einen Besitzerwechsel. Franz Hoffmann, Besitzer der Fabrik für fotografische Trockenplatten und Papiere Unger & Hoffmann, kauft das Anwesen für 325 000 Mark. Bereits 1904 verkauft er die Villa wieder. So folgen noch weitere Besitzerwechsel. Zu DDR-Zeiten als Kinderhort genutzt, befindet sich die Villa jetzt in Privatbesitz.

Hartmann-Villa Laubegast Detail Portal

Hartmann-Villa Laubegast Detail

Ein interessantes Detail am Eingangstor, die Initialen RH für Richard Hartmann wurden 1900 in FH für erwähnten Franz Hoffmann umgeändert.

Historische Lok von Hartmann Nr. 132 im Lokschuppen von Wilsdruff

Historische Lok von Hartmann Nr. 132 im Lokschuppen von Wilsdruff

Ein noch vorhandener Zeitzeuge, auf den ich unvorbereitet im Lokschuppen von Wilsdruff in Sachsen gestoßen bin, das heißt, ich hatte kein Stativ an Bord. Diese Lok wurde 1899 im Lokbahnhof Wilsdruff in Dienst gestellt. Die Königlich Sächsische Staatseisenbahn hatte sie für 35 211 Mark gekauft und mit der Nummer 132 versehen. In den folgenden Jahrzehnten befand sich die als 99539 umgezeichnete Lok auf zahlreichen Schmalspurstrecken im Einsatz. Heute gehört sie, in ihren ursprünglichen Zustand versetzt, dem Verein Traditionsbahn Radebeul e. V..

http://www.wilsdruffer-schmalspurnetz.de/ (übrigens kann man auf den ehemaligen Bahndämmen rund um Wilsdruff ausgiebig radeln)

Quellen, Buchempfehlungen

Mythos Hartmannum 200. Geburtstag des Sächsischen Lokomotivenkönigs Richard Hartmann

Mythos Hartmann zum 200. Geburtstag des Sächsischen Lokomotivenkönigs Richard Hartmann

Eine limitierte Auflage von 100 Exemplaren in arabischen Ziffern, 20 Exemplare in römischen Ziffern sowie persönlich gewidmete Ausgaben.

Verlag Heimatland Sachsen Chemnitz GmbH, Chemnitz 2009

Chemnitzer Roland über Richard Hartmann

Chemnitzer Roland über Richard Hartmann

Die Fähre Monatsblatt für Laubegast

Die Fähre Monatsblatt für Laubegast, Heft 10, November 1997

An der Weißeritz

20 Dienstag Dez 2011

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Dorfhain, Edle Krone, Ellinger, Geißler, Klingenberg, Malter, Rabenauer Mühle, Weißeritz

Die Wilde Weißeritz entspringt am Erzgebirgskamm und durchfließt erst einmal eine dünn besiedelte Landschaft, bevor sie im engen Tal die Stadt Tharandt passiert, um sich in Freital mit der Roten Weißeritz zu vereinigen. Die Rote Weißeritz hat ihr Quellgebiet in der Nähe von Altenberg im Osterzgebirge, ihr Lauf führt an Dippoldiswalde vorbei, durch den Rabenauer Grund und weiter nach Freital. Die nun vereinigte Weißeritz mündet in Dresden in die Elbe.

Weisseritztalsperrengenossenschaft (mein Artikel im Aktiensammler als PDF)

Schuldschein Anleihe der Weißeritztalsperrengesellschaft 1000 Mark 1909

Schuldschein Anleihe der Weißeritztalsperrengesellschaft 1000 Mark 1909

Historische Ansichtskarte der Talsperre Klingenberg

Historische Ansichtskarte der Talsperre Klingenberg

Anlagen der Talsperre Klingenberg 2008

Anlagen der Talsperre Klingenberg 2008

Talsperre Klingenberg auf der Staumauer

Talsperre Klingenberg auf der Staumauer

Historische  AK Talsperre Malter

Historische AK Talsperre Malter

Historische Ansichtskarte Rabenauer Mühle 1900

Historische Ansichtskarte Rabenauer Mühle 1900

Rabenauer Mühle 2009

Rabenauer Mühle im Rabenauer Grund an der Roten Weißeritz , nach dem Hochwasser 2002 wieder hervorragend renoviert

Geschichtlich wird um 1830 die Verleihung des Schankrechtes vermerkt, weiterhin dass sie 1869 abbrannte und als Gastwirtschaft und Holzschleiferei im Schweizer Stil wieder aufgebaut wurde (Wikipedia). In der Historie der jetzigen Hainsberg Papier GmbH (Thode’sche Papierfabrik) ist eine Übernahme der Holzschleiferei Rabenauer Mühle im Jahr 1868 vermerkt.

Elektrizitätswerk Plauenscher Grund

Elektrizitätswerk  Plauenscher Grund an der Roten Weißeriz, von der Rabenauer Mühle leicht zu erreichen

An der Talsperre Lehnmühle, Wilde Weißeritz

An der Talsperre Lehnmühle, Wilde Weißeritz, ca. 1960, aufgenommen mit einer Pouva Start

Die Talsperre Lehnmühle wurde 1931 fertiggestellt, sie liegt oberhalb der Talsperre Klingenberg. Beide dienen der Trinkwasserversorgung von Dresden und Freital, natürlich wird auch Strom erzeugt.

Historische Villa in Edle Krone, Wilde Weißeritz

Historische Villa in Edle Krone an der Wilden Weißeritz

Edle Krone war früher eine beliebte Sommerfrische, jedenfalls sagen das historische Ansichtskarten aus. Bei der Villa handelt es sich um das ehemalige Hotel “Unverhofft Glück”. Der Name Heintz taucht hier schon auf. Links von der Villa wurde später eine Fabrik errichtet. Nach 1945 firmierte sie als Fa. Ernst Heintz, Kunstharzpresserei. Das Hochwasser 2002 hat auch hier gewütet, von den Gebäuden der Fabrik ist nichts mehr da.

Silberbergbau in Edle Krone …

Wasserkraftwerk Tharandt

Wasserkraftwerk Tharandt

Das Kraftwerk ging 1926 ans Stromnetz. Durch einen 3,5 km langen Tunnel wird Wasser aus der Talsperre Klingenberg herangeführt. Dieses Wasser fließt anschließend durch Rohrleitungen zur Trinkwasseraufbereitung nach Dresden-Coschütz.

Historische Ansichtskarte von Dorfhein, gelaufen 1918

Historische Ansichtskarte von Dorfhain, gelaufen 1918

1900 wurde Tharandt an das elektrische Netz von Freital angeschlossen. Die Firmengründer Ellinger und Geißler erkannten die Nachfrage nach elektrischen Bauteilen, wie Schaltern, Lampenfassungen, und gründeten in Tharandt die „Handelsgesellschaft Ellinger und Geißler, Elektrotechnische Werkstätten Tharandt in Tharandt“.
Ellinger und Geißler erwarben 1904 Grundbesitz in Dorfhain, die Barthmühlenwiese und die Reichelt’sche  Wirtschaft Nr. 1, und bauten dort 1905 außer einem Wohnhaus ein Fabrikgebäude mit Pack- und Lagerraum im Parterre, sowie weiteren Räumen in der Etage. Ein wesentlicher Grund, an dieser Stelle zu bauen, war die Wasserkraft der Wilden Weißeritz. 1912 wurde noch die flussaufwärts liegende Winkelmühle mit Turbine zugekauft.
1934 wurde die Produktion von Radiozubehör, Drehwiderstände und Röhrensockel, aufgenommen. 1945/46  Demontage bis auf eine „geringe Erstausstattung“, Enteignung und Gründung des VEB Elektro- und Radiozubehör Dorfhain, später VEB Elektronische Bauelemente. 1970 zählte der Betrieb 1.517 Beschäftigte, davon 970 Frauen. Wenn meine Recherchen stimmen, dann produziert die Firma heute noch elektronische Bauelemente als ELBAUDO GmbH.

Quelle: Petzold, H.: Dorfhain in Sachsen. Das Dorf und seine Bewohner. 1983 vollendetes Manuskript

Die erste deutsche Gartenstadt und die Baugenossenschaft Hellerau

13 Dienstag Dez 2011

Veröffentlicht von wernerthiele in Spurensuche in Sachsen

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Baugenossenschaft, Dresden, Hellerau

Der Handwerker und Künstler Karl Schmidt konzipierte und errichtete, unter anderen mit dem Schriftsteller Wolf Dohrn, Anfang des vorigen Jahrhunderts den Ort Hellerau. Zugrunde lag die Idee der Gartenstadt von Ebenezer Howard, einem englischen Büroangestellten und Visionär. Die Gartenstadt sollte eine unabhängige Stadt und nicht nur ein Vorort sein, mitten im Grünen liegen und Wohnsiedlungen, Fabriken und ein Kulturangebot vereinen. In Hellerau wurde das 1:1 umgesetzt.

Karl Schmidt (1873-1948), im erzgebirgischen Zschopau geboren, erlernte dort den Tischlerberuf. Nach den damals üblichen Lehr- und Wanderjahren gründete er 1898 in Dresden seinen ersten Tischlereibetrieb, die Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst. Schmidt war sehr einfallsreich, er verband Handwerk mit Kunst, Erfolge stellten sich schnell ein. 1907 schloß er sich mit den Münchener Werkstätten für Wohnungseinrichtungen zusammen, es entstanden die Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst G.m.b.H. , der Betrieb war in Dresden-Blasewitz ansässig und nun viel zu klein und beengt. Karl Schmidt suchte nach Auswegen.

Er war ein fortschrittlicher Unternehmer und brauchte gesunde und motivierte Arbeiter. Deshalb suchte er außerhalb der Stadt Dresden ein Gelände für seine Firma und eine Werkssiedlung, denn seine Arbeiter sollten ausgeruht im Betrieb erscheinen. Er wurde schließlich fündig. In seinen Erinnerungen zur Gründung von Hellerau heißt es dazu:

“Der Betrieb war unterdes auf 250 Mitarbeiter angestiegen. Das machte den Bau eines eigenen Fabrikgeländes immer notwendiger. Nachdem ich an einem Sonntagvormittag, vom alten Dorf Klotzsche den Kirchsteig herunterkommend, das Klotzscher-Rähnitzer Gelände gesehen hatte, war ich begeistert von dem Gelände, das über 100 m über der Stadt liegt, …das schwierigste war, die 42 Klotzscher Landbesitzer und 31 Rähnitzer unter einen Hut zu bringen. Das hat etwa ein Jahr gedauert.”

Schmidt kaufte nun, wie oben beschrieben, am nördlichen Stadtrand von Dresden 140 Hektar Land zum Preis von 1,75 Millionen Mark auf. Diesen Grund und Boden brachte er in die neugegründete Gartenstadt Hellerau GmbH ein, die für 15.000 Menschen ideale Wohnbedingungen schaffen sollte. Das Projekt ruhte auf drei Säulen:

-die Gartenstadtgesellschaft mit den Gründern (u.a.) Karl Schmidt, Wolf Dohrn und Richard Riemerschmidt (München), gegründet am 4. Juni 1908, Aufgabe: Leitung des späteren Landhausviertels und des Marktplatzes, sowie der Reserveflächen

-die Baugenossenschaft Hellerau eGmbH, gegründet am 10. September 1908, Aufgabe: Schaffung des Kleinhausviertels, also des Arbeiter- und Angestelltenviertels

-die Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst mit dem Werksgelände (die Geschichte der Deutschen Werkstätten ist so interessant, das sie nach einen eigenen Artikel verlangt)

Diese drei Gesellschaften teilten sich den Grundbesitz entsprechend ihren Aufgaben auf, den Löwenanteil hatte die Gartenstadtgesellschaft. Für alle drei galt das Grundprinzip: “Im Vordergrund der Gründung steht das wirtschaftliche Problem: Die Ausnutzung des steigenden Bodenwertes für die Gesamtheit der Helleraubewohner. Dazu werden die Dividenden der bodenbesitzenden Gesellschaften auf 4% beschränkt. Aller Gewinn über 4% muss für die Gesamtheit Verwendung finden.” *

Die Baugenossenschaft Hellerau e.G.m.b.H.

Das Ziel der Baugenossenschaft war der Bau von Kleinhäusern. Das notwendige Land erhielt die Genossenschaft von der Gartenstadtgesellschaft zum Selbstkostenpreis. Alle Häuser waren an die Kanalisation angeschlossen, besaßen ein Innenklosett, einen Gasanschluss und elektrisches Licht.
Die Mitgliedschaft in der Baugenossenschaft Hellerau erhielt man durch den Erwerb von Anteilen zu je 200 Mark oder mit wöchentlichen Raten zwischen 50 Pfennig und 3 Mark zu 4% Verzinsung. Der Mietvertrag war unabhängig zum Arbeitsvertrag mit den Deutschen Werkstätten. Weiterhin durfte die Baugenossenschaft einen Mieter nicht kündigen, solange er Mitglied derselben war. Jeder Genossenschaftler besaß eine Stimme, gewählt wurden der Vorstand und der Aufsichtsrat. Der erste Vorstand bestand aus fünf Personen, darunter Karl Schmidt und Wolf Dohrn. Der Aufsichtsrat hatte neun Mitglieder, mit Berufen vom Hofarbeiter bis zum Kaufmann.

Die Grundsteinlegung zu den ersten Wohnhäusern “Am grünen Zipfel” erfolgte im Juni 1909. Ende 1910 waren der Baugenossenschaft 419 Mitglieder beigetreten, die 454 Anteile hielten. Ende 1915 betrug die Mitgliederzahl 528, 345 Wohnungen waren fertiggestellt. Der anfängliche Geldmangel der Baugenossenschaft wurde durch Hypotheken der LVA getilgt, das Projekt Gartenstadt versprach auch Prestige.

Eine Zeitzeugin berichtet:

“Meine Straße, der Zipfel, war ein gestampfter Sandweg, den allenfalls mal der Möbelwagen der Deutschen Werkstätten befuhr. Am Ende der Häuserzeile weitete sich der Weg am Tordurchgang. Unter einer Kastanie stand hier die Bank, an der sich abends die Zipfelmänner trafen, um ihr Pfeifchen zu schmauchen, Arbeiter in Karl Schmidts Möbelfabrik, Tischler und Lackierer die meisten, der Gärtner, der Fahrer. Auch Schmidt selbst gesellte sich bei seinem abendlichen Rundgang hinzu, bei dem sich noch das eine oder andere für den kommenden Tag besprechen ließ.” **

Für diese einfachen Reihenhaustypen vom Architekten Riemerschmidt war eine Jahresmiete zwischen 250 und 380 Mark bei einer Wohnungsgröße von 46 bis 85 m² vorgesehen. Deshalb bestand die Mehrzahl der Mieter aus Qualitätsarbeitern und Angestellten.

Der erste Weltkrieg beendete die Blütezeit der Gartenstadt Hellerau und der Baugenossenschaft. Nach dem Krieg stand die Baugenossenschaft kurz vor dem Ruin, der Verkauf von 336 Kleinhäusern an die bisherigen Mieter war die Rettung.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und Gründung der DDR wird Hellerau nach Dresden eingemeindet, die Baugenossenschaft wird 1959 in GWG Hellerau umbenannt, 1980 einstimmig aufgelöst und an eine AWG (Arbeiterwohnungsgenossenschaft) angegliedert.

Die deutsche Wiedervereinigung brachte auch für die Gartenstadt Hellerau neue Impulse. Seit 1992 gilt für das Gesamtareal eine Erhaltungssatzung. 2005 wurde die Gartenstadt in das Förderprogramm “Städtebaulicher Denkmalschutz” aufgenommen. So gehört Hellerau sicher zu den begehrtesten Wohnlagen der Elbmetropole Dresden. Die Idee der Baugenossenschaft von 1908 darf damit allerdings endgültig begraben werden.

Die Anteilscheine der Baugenossenschaft Hellerau eGmbH von 1909

Von dieser kulturhistorischen Rarität lagen zwei Stück im RB-Schatz (Zustand IV). Gedruckt wurden sie bei Poeschel & Trepte in Leipzig. Sie tragen die Unterschriften vom Schriftsteller Wolf Dohrn und vom Kaufmann Hans Brader. Wolf Dohrn, geb. 1878, war an der Seite von Karl Schmidt wesentlich am Aufbau Helleraus beteiligt. Er verunglückte 1914 tödlich beim Schifahren in den Schweizer Alpen.

Die Druckerei Poeschel & Trepte wurde 1870 in Leipzig gegründet. Emil Trepte war Mitbegründer der Typographischen Gesellschaft in Leipzig. Die Firma entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer der bekanntesten Buchdruckereien Deutschlands. Während der Inflation wird die Firma zum Banknotendruck hinzugezogen. Im Dezember 1943 wird durch einen Bombenangriff auf Leipzig der Betrieb mit dem wertvollen Archiv und Schriftenbestand fast vollständig zerstört.

Marktübersicht Baugenossenschaft Hellerau

Ausgabeort

Datum

Nennwert

Bekannte Stücke

Marktpreis in €

Hellerau bei Dresden

31.03.1909

200

2 (RB)

430 bis 510

Hellerau bei Dresden

01.10.1918

200

1

170

Hellerau bei Dresden

08.05.1941

200

2 (RB)

200 bis 220

Zitate:
*Wolf Dohrn: Die Gartenstadt Hellerau-ein Bericht, 1908
**Mitteilungen für Hellerau, 08/2001

Quellen:
Thomas Nitschke: Grundlegende Untersuchungen zur Geschichte der Gartenstadt Hellerau, Band 1, Engelsdorfer Verlag 2005

Mirjam Rößger: Die Baugenossenschaft Hellerau in Dresdner Hefte # 51, 3/1997

Claudia Beger: Gartenstadt Hellerau Architekturführer, Deutsche Verlags-Anstalt München, 2008

Bildnachweis:

Anteilschein Baugenossenschaft Hellerau: Archiv Werner Thiele

Fotos: Werner Thiele

Anteilschein der Baugenossenschaft Hellerau 1909

Anteilschein der Baugenossenschaft Hellerau 1909

Am Grünen Zipfel in Hellerau

Am Grünen Zipfel in Hellerau 2006

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